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Kurzarbeit und Steuern - Was muss ich beachten, wenn ich Kurzarbeitergeld erhalten habe

admin
1. April 2021

Du warst letztes Jahr in Kurzarbeit und musst darum 2021 eine Steuererklärung machen? Außerdem fragst du dich, ob du Geld nachzahlen musst oder vielleicht sogar doch welches zurück bekommen kannst? Hier findest du alle relevanten Infos auf einen Blick.

Hat Kurzarbeit überhaupt einen Einfluss auf meine Steuern?

Kurzgesagt: ja. Für die einen mehr, als für die anderen, aber dazu gleich mehr. Die größte Änderung ist, dass du höchstwahrscheinlich eine Steuererklärung für das Jahr 2020 abgeben musst, auch wenn du vorher nicht dazu verpflichtet warst. Es kann auch sein, dass du Steuern wirst nachzahlen müssen, weil sich durch die Kurzarbeit dein Steuersatz etwas verändert hat. Keine Panik, wir erklären euch die verschiedenen Szenarien gleich in Ruhe und ohne Juristendeutsch.

Ich war in Kurzarbeit – muss ich eine Steuererklärung machen?

Ja, du bist zu einer Steuererklärung verpflichtet, wenn du im Jahr 2020 in Kurzarbeit geschickt wurdest und im ganzen Jahr mehr als 410 Euro an Kurzarbeitergeld bekommen hast. Das gilt auch für diejenigen unter uns, die bisher keine Steuererklärung machen mussten. Ob du zu 10%, 50%, oder zu 100% in Kurzarbeit geschickt wurdest, spielt dabei keine Rolle.

Wenn du nicht in Kurzarbeit warst, musst du nur dann eine Steuererklärung machen, wenn du zum Beispiel mehrere Arbeitgeber gleichzeitig hattest oder, wenn du verheiratet bist und eine bestimmte Kombination an Steuerklassen mit deinem Ehepartner hast. Hier findest du eine Übersicht. Warst du ein lediger Arbeitnehmer und hattest nur einen Arbeitgeber auf einmal, betrifft dich das höchstwahrscheinlich nicht.

Doch auch für diejenigen, die keine Steuererklärung machen müssen, gilt: in den meisten Fällen lohnt sie sich trotzdem.

Muss ich wegen Kurzarbeit Steuern nachzahlen? Oder kriege ich Geld zurück?

Hier kommt es sehr stark auf den Einzelfall an.

Und nun etwas Fachchinesisch (kein Grund zur Panik, dauert nicht lange) Das Kurzarbeitergeld ist eine Lohnersatzleistung und unterliegt dem Progressionsvorbehalt. Das kann Einfluss auf deinen individuellen Steuersatz haben.

Wie du jeden Monat auf deiner Gehaltsabrechnung sehen kannst, führt dein Arbeitgeber die Lohnsteuer von deinem Bruttogehalt direkt an das Finanzamt ab. Als Lohnersatzleistung musst du auf das Kurzarbeitergeld zwar keine Steuern zahlen, der Progressionsvorbehalt kann aber dazu führen, dass dein Steuersatz vom Finanzamt angehoben wird.

So, und nun Klartext. Was heißt das nun genau? Wenn du zum Beispiel eine Zeit lang zu 50% in Kurzarbeit warst, hast du 50% deines regulären Gehalts von deinem Arbeitgeber bekommen, das Kurzarbeitergeld hat dein Arbeitgeber vom Staat erstattet bekommen. Auf die 50% Gehalt musst du Lohnsteuer bezahlen. Gehen wir davon aus, dass dein Lohnsteuersatz 10% beträgt. Dein Arbeitgeber zahlt also diese 10% deines halben Gehalts an das Finanzamt voraus. Nun sieht das Finanzamt am Ende des Jahres, dass du nicht nur dein halbes Gehalt bekommen hast, sondern auch das Kurzarbeitergeld. Wer mehr verdient, muss mehr zahlen, deshalb hebt das Amt deinen Steuersatz auf 12%. Nun hat dein Arbeitgeber aber immer nur 10% des halben Gehalts an das Amt vorausbezahlt. Es fehlt also Geld und du musst womöglich etwas nachzahlen. Du bezahlst zwar keine Steuern auf das Kurzarbeitergeld, aber dafür mehr Steuern auf dein Gehalt.

Ob du tatsächlich Steuern nachzahlen musst oder doch eine Erstattung bekommst, hängt natürlich noch von anderen Faktoren ab. Wenn du nur eine kurze Zeit lang in Kurzarbeit warst, kann es sein, dass sich dein Steuersatz nicht erhöht, oder nur so wenig erhöht, dass es am Ende kaum einen Unterschied macht. Weil du als festangestellter Arbeitnehmer in 9 von 10 Fällen sowieso mit einer Steuerrückzahlung rechnen kannst, kann es also durchaus sein, dass diese eine eventuelle Nachzahlung decken würde.

Ich habe Kurzarbeitergeld bekommen – Bis wann muss ich meine Steuererklärung machen?

Zur Erinnerung: Jeder, der mehr als 410 Euro Kurzarbeitergeld im Jahr bekommen hat, muss eine Steuererklärung machen. Bist du im Jahr 2020 in Kurzarbeit gewesen, muss deine Steuererklärung bis zum 02.08.2021 beim Finanzamt angekommen sein. Falls du diese Aufgabe in die Hände eines Steuerberaters legst und ihm eine Vollmacht erteilst, verlängert sich die Frist bis zum 28.02.2022. 

Deine Steuererklärung kannst du analog oder digital machen. 

  • Steuererklärung auf Papier: Die Formulare, die du dafür brauchst, kannst du dir entweder im Finanzamt abholen oder online auf der Webseite des Bundesministeriums für Finanzen herunterladen und ausdrucken
  • Steuererklärung über ELSTER: In dem Fall füllst du die Formulare direkt online aus und reichst sie online bei deinem Finanzamt ein
  • Steuererklärung mit Hilfe von Software, wie zum Beispiel Taxfix, die dich durch die Formulare führt

Corona-Bonus, Weihnachtsgeld und Urlaubsanspruch – Was ändert sich noch, wenn ich in Kurzarbeit war?

Urlaub bei Kurzarbeit – Was gilt?

Auch wer weniger arbeitet als sonst, möchte sicher irgendwann Urlaub machen. Auch beim Urlaubsanspruch gibt es bei Kurzarbeit einige Änderungen. Selbstverständlich kannst du auch während du in Kurzarbeit bist Urlaub nehmen, doch es kann sein, dass sich dein Anspruch verringert. “Kann sein” ist in dem Fall das Stichwort, denn auch in dem Fall hängt es vom Einzelfall ab. Bei sogenannter Kurzarbeit Null ist die Angelegenheit klar: Wenn du eine Zeit lang gar nicht arbeitest, hast du für diesen Zeitraum keinen Anspruch auf Urlaubstage. In anderen Fällen hängt dein Urlaubsanspruch davon ab, wie viele Tage in der Woche du arbeitest. Wird zwar deine Arbeitszeit reduziert, du aber trotzdem so viele Tage in der Woche arbeitest, wie vor der Kurzarbeit (auch wenn es nur eine Stunde am Tag ist!) ändert sich für deinen Urlaubsanspruch nichts. Arbeitest du weniger Tage in der Woche, als vorher, kann dein Urlaubsanspruch verringert werden.

Prämien, Weihnachtsgeld, Corona-Bonus – Worauf muss ich achten?

Um die Auswirkungen der Coronavirus-Pandemie für Arbeitnehmer abzumildern, hat die Bundesregierung dieses Jahr Steuerfreiheit für bestimmte Sonderzahlungen beschlossen.

Wenn du im Zeitraum vom 01.03.2020 bis zum 31.12.2020 Sonderzahlungen bekommen hast, die im direkten Zusammenhang mit der Coronavirus-Pandemie stehen (z.B. Corona-Bonus, Corona-Prämie, etc.), sind sie bis zu einem Betrag von 1.500 Euro steuerfrei.

Achtung: Bei Sonderzahlungen, die nichts mit der Corona-Krise zu tun haben, wie zum Beispiel Weihnachtsgeld, Urlaubsgeld oder Prämien, ändert sich allerdings nichts. Sie gehörten weiterhin zum Bruttoverdienst und wurden normal besteuert.

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