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Was ist die Mehrwertsteuer?

Die Mehrwertsteuer bildet eine der wichtigsten Einnahmequellen des Staates. Es handelt sich bei ihr um eine Umsatzsteuer, die den Mehrwert, der innerhalb einer sogenannten Wertschöpfungskette entsteht, besteuert. Sie fällt beim Verkauf von Waren und Dienstleistungen an und wird letztlich vom Endverbraucher bezahlt.
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Welche Arten der Mehrwertsteuer gibt es?

Der allgemeine Steuersatz (Regelsteuersatz) für die Mehrwertsteuer in Deutschland liegt bei 19 Prozent. Dieser Betrag wird auf alle Netto-Preise von Waren und Dienstleistungen aufgeschlagen.Der ermäßigte Steuersatz liegt bei 7 Prozent. Er gilt für Lebensmittel und Waren des täglichen Bedarfs. Dazu gehören zum Beispiel…

  • Erzeugnisse aus der Land- und Forstwirtschaft
  • Tierfutter
  • Bücher & Zeitungen
  • Lebende Tiere
  • Gemüse & Pflanzen
  • Kaffee & Kakaopulver
  • Getreide und Mehl
  • Zucker und Zuckerwaren
  • Brennholz und Sägespäne
  • Produkte für die Monatshygiene (z.B. Tampons)
  • Prothesen, Hörgeräte und Herzschrittmacher
  • Kunstgegenstände & Sammlerstücke
  • Konzerttickets
  • ÖPNV- und Taxifahrten
  • Hotelübernachtungen
  • Leistungen gemeinnütziger und kirchlicher Einrichtungen

Einige wenige Dinge, darunter fallen zum Beispiel die meisten medizinischen Leistungen, sind sogar komplett von der Mehrwertsteuer befreit.

Außerdem gibt es verschiedene Festsetzungsmethoden, wie die Substraktions-, Additions- oder Rechnungsmethode, nach der die Steuer, oft nach Ländern bzw. Regionen abweichend, erhoben werden kann. Unterschiedliche Mehrwertsteuer-Typen wie Produkt-Typ, Einkommen-Typ, Konsum-Typ bestimmen, wann die Mehrwertsteuer genau verrechnet wird.

Corona und die Mehrwertsteuer

Die Bundesregierung hat im Rahmen des Konjunkturpakets zur Bewältigung der Corona-Krise eine befristete Mehrwertsteuersenkung beschlossen. Sie trat am 1. Juli 2020 in Kraft.
Der Regelsteuersatz sank bis Ende 2020 von 19 auf 16 Prozent. Der ermäßigte Steuersatz sank von 7 auf 5 Prozent. Mit dem 01. Januar 2021 stieg die Mehrwertsteuer wieder auf das ursprüngliche Niveau.

Seit wann gibt es die Mehrwertsteuer?

Die erste umfassende Mehrwertsteuer wurde 1953 in Michigan in den USA eingeführt. Die Idee gab es jedoch bereits vorher; sie geht auf Carl Friedrich von Siemens zurück, der bereits 1919 die damals geltende Umsatzsteuer kritisierte: Diese wurde immer beim Verkauf eines Produktes fällig. Problematisch dabei war, dass die Steuerlast also mit der Anzahl von Unternehmen, die ein Produkt durchlaufen musste, beständig stieg. So wurde die Umsatzsteuer oft mehrfach auf ein und dasselbe Produkt aufgeschlagen.

In Deutschland wurde die Mehrwertsteuer am 1. Januar 1968 in einer Höhe von 10 Prozent eingeführt.

Warum gibt es die Mehrwertsteuer?

Die Mehrwertsteuer liefert dem Staat erhebliche Einnahmen und finanziert einen beachtlichen Teil des gesamtstaatlichen Haushalts. Im Jahr 2019 beispielsweise hat die Bundesrepublik Deutschland insgesamt durch die Mehrwertsteuer über 183 Milliarden Euro eingenommen.

Die Finanzbehörden verdienen somit einerseits an jeder Stufe der Wertschöpfung. Andererseits besitzt der Staat ein Instrument, mit dem er, wie aktuell in der Corona-Krise, die Konjunktur aktiv z. B. durch Steuersenkungen ankurbeln kann.

Was ist die Wertschöpfung?

Die Wertschöpfung misst die eigentliche wirtschaftliche Leistung eines Wirtschaftszweiges oder einer Branche. Dieser Begriff umfasst die Gewinne, die aus dem Verkauf oder Weiterverkauf eines Produkts oder einer Dienstleistung nach Abzug der Herstellungskosten erwirtschaftet werden.

Wie wird die Mehrwertsteuer berechnet?

Wie die Mehrwertsteuer festgelegt wird, zeigen wir an einem Beispiel:
Ein Schreiner fertigt einen Stuhl, der nettoNetto ist ein um bestimmte Größen verminderter Teil eines Ganzen. Nettogehalt/-lohn ist das Arbeitsentgelt, das um Steuern und Sozialabgaben vermindert wurde.
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100 Euro kostet. Verkauft er ihn weiter, muss er 19 Prozent aufrechnen und ihn für 119 Euro an den Händler verkaufen. Die 19 Euro führt der Schreiner an das Finanzamt ab. Der Händler stellt den gekauften Stuhl in seinem Möbelgeschäft aus und verkauft ihn später für 200 Euro plus Mehrwertsteuer an den Endkunden weiter. Der wiederum bezahlt dann auf den Nettopreis eine Mehrwertsteuer von 38 Euro. Da der Händler aber 19,00 Euro Mehrwertsteuer bereits dem Schreiner gezahlt hat, schuldet er dem Finanzamt nur noch eine Mehrwertsteuer von 19 Euro, die er ja vom Endkunden bereits erhalten hat.

Dieses System, nach dem beide Steuerbeträge gegengerechnet werden, nennt sich Vorsteuerabzug. In gewisser Weise erledigen Unternehmer*innen, hier z. B. der Schreiner und der Händler, Aufgaben des Finanzamts. Sie verlangen eine Steuer, die sie dann weiterreichen müssen. Jede*r, der an der Wertschöpfungskette teilnimmt, zahlt genau auf den Betrag, den er als Mehrwert erschafft, Steuern. Ein Mehrwertsteuerrechner kann dir anzeigen, welchen Preis Waren oder Dienstleistungen mit einer niedrigeren Mehrwertsteuer haben.

Unterschied zwischen Mehrwertsteuer und Umsatzsteuer

Die Mehrwertsteuer ist eine bestimmte Art der Umsatzsteuer. Ihre Besonderheit liegt darin, dass die anfallende Besteuerung von Einnahmen und Ausgaben miteinander verrechnet werden.

Im Gegensatz zu der Umsatzsteuer kann sie sich nicht von Händler zu Händler anhäufen und dadurch beispielsweise für einen ungleichen Wettbewerb sorgen. Die Mehrwertsteuer besteuert – etwas kompliziert – die einzelnen Stufen der Wertschöpfung.

DISCLAIMER
Wir machen keine Steuerberatung. Wir ersetzen keine*n zertifizierte*n Steuerberater*in. Alle Angaben ohne Gewähr. Mehr Infos dazu findest du in unseren Allgemeinen Geschäftsbedingungen.
Julian Schwarzmann
von Julian Schwarzmann
veröffentlicht am: 18.08.2022
aktualisiert am: 25.08.2022

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