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Steuerliche Situation nach der Trennung

Eine Trennung hat nicht nur organisatorische, sondern auch steuerliche Folgen. Du musst z. B. daran denken, rechtzeitig die Steuerklasse zu wechseln. Wir zeigen, worauf du sonst noch achten musst.
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Sondersplitting im Trennungsjahr

Den steuerlich günstigere Splittingtarif gibt es nur für Eheleute. Sobald es in der Beziehung kriselt und die Trennung ins Haus steht, enden also auch die Vorteile bei der Steuer.

Im Trennungsjahr hast du die Wahl: Du kannst dich noch gemeinsam mit deinem*r Ehepartner*in oder bereits einzeln veranlagen lassen. Das gilt zumindest so lange ihr noch kein komplettes Kalenderjahr (01.01.-31.12.) dauernd getrennt voneinander lebt. Beispiel: Es ist der 01.04.2021, Hochzeitstag der Eheleute Sommer.
Zur Feier des Tages möchten sie essen gehen, können sich aber nicht auf ein Restaurant einigen. Der Streit eskaliert. Die Eheleute beschließen, sich zu trennen. Frau Sommer zieht am nächsten Tag zu ihrer besten Freundin.

Die Sommers lebten bis zum 02.04.2021 noch nicht dauernd getrennt. Daher können sie sich für das Steuerjahr 2021 aussuchen, ob sie die gemeinsame oder getrennte Veranlagung wählen.

Auch im Jahr 2022 finden die Beiden nicht wieder zueinanderfinden. Sie leben also das gesamte Jahr in getrennten Wohnungen. Daher müssen sich für das Jahr 2022 beide um ihre jeweils eigenen Steuererklärungen kümmern.

Trennung Ende des Jahres:
Ihr müsst euch bis Ende Dezember um den Steuerklassenwechsel für das nächste Jahr kümmern, da die gemeinsame Veranlagung nur für das aktuelle Kalenderjahr gilt.

Trennung im Laufe des Jahres:
Ihr könnt bis zum 31.12. in euren jeweiligen Steuerklassen bleiben.

Für die gemeinsame Veranlagung reicht es, wenn ihr einen Tag im Trennungsjahr zusammengelebt habt.

Sondersplitting – das Datum der Trennung ist entscheidend

Für das Sondersplitting kommt es darauf an, wann ihr euch getrennt habt:

Trennung Ende des Jahres:
Ihr müsst euch bis Ende Dezember um den Steuerklassenwechsel für das nächste Jahr kümmern, da die gemeinsame Veranlagung nur für das aktuelle Kalenderjahr gilt.

Trennung im Laufe des Jahres:
Ihr könnt bis zum 31.12. in euren jeweiligen Steuerklassen bleiben.
Für die gemeinsame Veranlagung reicht es, wenn ihr einen Tag im Trennungsjahr zusammengelebt habt.

Achtung:

Versäumt ihr den rechtzeitigen Steuerklassenwechsel, drohen euch eine Steuernachzahlung und ein Steuerstrafverfahren!

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Heirat nach der Scheidung

Heiratest du im selben Kalenderjahr, in dem du und dein*r Ex-Partner*in das Sondersplitting in Anspruch genommen habt, dann gilt der Splittingtarif für dich und deine*n neue*n Ehepartner*in (§ 26 Abs. 1 Satz 2 EStG). Dein*e Ex-Partner*in wird dann einzeln veranlagt.

Hinweis: Ist dein*e Ex in der Steuerklasse 3, muss er nach deiner Heirat mit Steuernachforderungen rechnen.

Steuerklassenwechsel – Welche Bedingungen gelten

Zunächst musst du dem Finanzamt mitteilen, dass du dich von deinem*r Ehepartner*in getrennt hast. Hierfür gibt es das Formular „Erklärung zum dauernden Getrenntleben” (unter „Lohnsteuer Arbeitnehmer“).

Nun, da das Finanzamt über euren Trennungsstatus informiert ist, geht es an die Steuerklasse. Du wirst vermutlich wieder in die Steuerklasse 1 eingeordnet. Die gilt für ledige Arbeitnehmer*innen. Je nachdem in welche Steuerklassen ihr als Ehepaar eingeordnet wart, hat der Wechsel unterschiedliche Konsequenzen:

Wechsel aus der Steuerklasse 4:

  • Geringe Veränderung des Nettoeinkommens

Wechsel aus der Steuerklasse 3:

  • Geringeres Nettoeinkommen wegen höherer Steuerabzüge

Wechsel aus der Steuerklasse 5:

  • Höheres Nettoeinkommen, das geringere Nettoeinkommen in der Kombination 3/5 wurde jedoch durch das gemeinsame Einkommen mit dem*r besserverdienenden Partner*in ausgeglichen

 

Vor- und Nachteile der gemeinsamen Veranlagung

Trennungen laufen nicht immer reibungslos ab. Ist man sich uneinig, kann es auch steuerlich kompliziert werden. Für die Einzelveranlagung und den damit verbundenen Wechsel der Steuerklasse reicht es nämlich schon aus, wenn einer von euch beiden den Antrag hierauf stellt. Das Finanzamt akzeptiert den Änderungsantrag.

Das Familienrecht legt jedoch fest, dass die Präferenz des einen nicht für den anderen gilt (§ 1353 BGB). Daher ist der Wechsel ohne die Zustimmung des*r Ehepartner*in nicht ohne weiteres möglich. Bist du der*die Besserverdienende, kannst du die Zustimmung zur gemeinsamen Veranlagung einklagen. Du musst deinem*r Ehepartner*in dann monatlich die finanziellen Verluste ausgleichen.

Meistens lohnt es sich, im Trennungsjahr in der Kombination 3/5 zu bleiben. Da ihr durch den Splittingtarif steuerlich profitiert und das Nettoeinkommen des*r Besserverdienenden höher ist, hast du als weniger verdienende Person ebenfalls Vorteile. Wenn du kein oder ein geringes Einkommen hast, giltst du als bedürftig und kannst von deinem*r Ehepartner*in Trennungsunterhalt fordern. Dieser fällt in der gemeinsamen Veranlagung höher aus, als in der Einzelveranlagung.

Bekommt einer von euch beiden Lohnersatzleistungen, wie z. B. Arbeitslosengeld I? Dann kann eine Zusammenveranlagung nachteilig sein. Solche Einkünfte sind zwar steuerfrei, unterliegen aber dem sogenannten ProgressionsvorbehaltSteuerrechtlich beschreibt die Progression das Ansteigen des persönlichen Steuersatzes bei steigendem Einkommen. Das führt dazu, dass höhere Einkommen nicht nur absolut sondern auch prozentual höher besteuert werden als niedrige Einkommen
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. Das heißt, dass sie zu den Gesamteinnahmen gezählt werden und dadurch den Steuersatz erhöhen.
Eine Ausnahme gilt, wenn die Zusammenveranlagung steuerlich nachteilig ist.

Kindergeld, Steuerklasse 2 und Entlastungsbetrag

Die Trennung hat auch Auswirkungen auf das Kindergeld bzw. auf den Anspruch aufs Kindergeld. Hierbei findet das sogenannte Obhutsprinzip Anwendung. Demnach hat jener Elternteil Anspruch auf Kindergeld, bei dem das Kind dauerhaft im Haushalt lebt bzw. gemeldet ist. Nach der Trennung hast du also Anspruch auf das Kindergeld bzw. den Kinderfreibetrag, ausgenommen das Kind lebt nur beim anderen Elternteil.

Ihr teilt euch die Betreuung des Kindes? Solang ihr ein geteiltes Sorgerecht habt und gleichberechtigt den Nachwuchs erzieht, wird das Kindergeld zur Hälfte aufgeteilt(OLG Düsseldorf, Az: II-07 UF 45/13). Wichtig ist hierbei die gleichberechtigte Betreuung in den Haushalten.

Wenn das Kind bei dir gemeldet ist, ist der Wechsel in die Steuerklasse 2 sinnvoll. Voraussetzung: Du lebst wirklich nur mit deinen Kindern zusammen. Wohnt dein*e neue*r Partner*in oder eine andere erwachsene Person bei euch und leistet einen finanziellen Beitrag zum gemeinsamen Haushalt, scheidet diese Steuerklasse für dich aus.

Alleinerziehende haben einen Anspruch auf einen Entlastungsbetrag pro Kind. Während des Trennungsjahrs hast du jedoch keinen Anspruch darauf, da du das Ehegattensplitting anwenden kannst. Dasselbe gilt, wenn du im Trennungsjahr wieder heiratest.

Unterhaltszahlungen in der Steuer

Trennungsunterhalt:
Im Trennungsjahr hast du Anspruch auf Unterhalt, wenn du kein oder ein deutlich geringeres Einkommen als dein*e Ehepartner*in hast (§ 1361 BGB). Voraussetzung ist, dass dieser in der Lage ist, Unterhaltszahlungen zu leisten. Das bemisst sich auch daran, ob ihm dann noch genug für den eigenen Lebensunterhalt verbleibt. Dieser Selbstbehalt ist anhand der Düsseldorfer Tabelle geregelt.

Kinderunterhalt:

In der Tabelle sind zudem die Bedarfssätze festgelegt, die für den Kindesunterhalt gelten. Als Unterhalt zahlende Person kannst du einen Teil des Kindergeldes auf die Unterhaltszahlung anrechnen lassen. Der angerechnete Betrag hängt von der Höhe des Unterhalts ab.

Kindesunterhalt kannst du allerdings nicht von der Steuer absetzen.

Wechselst du nach der rechtskräftigen Scheidung von Steuerklasse 3 in Steuerklasse 1 und zahlst den Kindesunterhalt, sinkt der Betrag, da du nun ein geringeres Nettoeinkommen hast. Heiratest du erneut und wechselst abermals in die Steuerklasse 3, steigt der Betrag entsprechend wieder.

Ehegattenunterhalt:

Als Unterhalt zahlende Person kannst du die Zahlung von Ehegattenunterhalt auf zwei Arten von der Steuer absetzen:

  • als Sonderausgaben (Realsplitting)
  • als außergewöhnliche Belastung

 

Unterhaltszahlungen als Sonderausgaben

Bis zu 13.805 Euro deiner Unterhaltskosten kannst du jährlich als Sonderausgaben absetzen. Die gezahlte Summe trägst du in der Anlage Unterhalt ein oder nutzt alternativ die Taxfix-App.

Unterhalt aus der Sicht des*r Unterhaltsgeber*in

Die Anlage U ist ein Antrag auf Abzug von Unterhaltsleistungen als Sonderausgaben. Dein*e Ehepartner*in, der den Unterhalt erhält, muss im selben Formular bestätigen, dass er deinem Antrag zustimmt und die Summe in der Anlage SO als „sonstige Einkünfte“ angeben. Der SonderausgabenabzugEin Sonderausgabenabzug ist ein Abzug von Beträgen, die man als Arbeitnehmer bspw. bei der Finanzierung einer privaten Altersvorsorge leistet. Was sind Sonderausgaben?
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wird als Realsplitting bezeichnet.

Unterhalt aus Sicht der empfangenden Person

Unterhaltszahlungen sind für die empfangende Person regulär steuerfrei. Willigst du als Unterhalt empfangene Person in den Antrag ein, wird die Unterhaltszahlung als sonstiges Einkommen für dich steuerpflichtig. Diesen Verlust durch höhere Steuern ersetzt der*die Unterhaltszahler*in mit einem Nachteilsausgleich.

Unterhaltszahlungen als außergewöhnliche Belastungen

Entscheidest du dich für die Absetzung der Unterhaltszahlungen als außergewöhnliche Belastung, kannst du maximal 9.744 Euro pro Jahr (Steuerjahr 2021) absetzen. Dies gibst du in der Anlage Unterhalt an. Dein*e Ehepartner*in muss den Unterhalt nicht versteuern, aber sein*ihr Einkommen dem Finanzamt offenlegen.

Achtung:

Dem anderen Eheteil steht ein Auskunftsverweigerungsrecht zu. Macht er davon Gebrauch, können die Unterhaltszahlungen steuerlich nicht anerkannt werden.

Kann man Scheidungskosten absetzen?

Nein.
Der Bundesfinanzhof (BFH) urteilte im Mai 2017, dass Scheidungskosten keine außergewöhnlichen Belastungen sind. Der BFH bejahte zwar, dass Scheidungskosten zwangsläufig seien. Es bestehe aber bei einem Scheidungsverfahren (BFH Urteil v. 18.5.2017, VI R 9/16) keine Gefährdung der Existenzgrundlage (BFH Urteil v. 18.5.2017, VI R 9/16). Daher können Scheidungskosten steuerlich nicht mehr berücksichtigt werden.

Nach der Scheidung ändern sich bei dir steuerlich einige Dinge. Wir empfehlen dir daher, eine Steuererklärung zu machen. Bequem und schnell mit Taxfix.
DISCLAIMER
Wir machen keine Steuerberatung. Wir ersetzen keine*n zertifizierte*n Steuerberater*in. Alle Angaben ohne Gewähr. Mehr Infos dazu findest du in unseren Allgemeinen Geschäftsbedingungen.
Torsten Elsner
von Torsten Elsner
veröffentlicht am: 04.07.2017
aktualisiert am: 19.08.2022

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