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Amtsveranlagung – Wenn das Finanzamt die Steuererklärung macht

29. November 2018

Bei der Amtsveranlagung übernimmt das Finanzamt die Erstellung deiner Steuererklärung, vorausgesetzt du beziehst Rente und hast keine weiteren Einnahmen. Damit sparst du dir Zeit und gibst die bürokratische Arbeit einfach ab. Allerdings besteht die Gefahr, dass dir eine Steuerrückerstattung entgeht.

Was ist die Amtsveranlagung?

Empfänger einer Rente mit Wohnsitz im Ausland sind verpflichtet, in Deutschland eine Steuererklärung einzureichen. Wenn du allerdings darauf verzichten möchtest, kannst du auch das Formular zur Erklärung des Verzichts zur Abgabe einer Steuererklärung ausfüllen und das Finanzamt setzt anhand der Informationen des Rententrägers deine Einkommenssteuer fest. Das nennt man Amtsveranlagung und ist nur möglich, wenn du keine weiteren Einnahmen hast, wie zum Beispiel aus der Vermietung einer Wohnung.

In einem Pilotprojekt wurde die Amtsveranlagung im Jahr 2017 nun auch im Inland für Rentner mit Wohnsitz in Mecklenburg-Vorpommern erweitert und 2018 ausgiebig getestet.

Berechtigung für Amtsveranlagung

Du bist für die Amtsveranlagung berechtigt, wenn du eine Rente

  • aus der landwirtschaftlichen Alterskasse,
  • der Pensionskasse,
  • dem Pensionsfond,
  • der gesetzlichen Rentenversicherung,
  • einer berufsständischen Versorgungseinrichtung oder
  • bei einem Versicherungsunternehmen beziehst.

Außerdem kannst du die Amtsveranlagung nur nutzen, wenn du im Ausland oder in Mecklenburg-Vorpommern wohnst und du sowie dein Ehepartner abgesehen von einem Minijob keine weiteren Einnahmen habt.

Entscheidest du dich für die Amtsveranlagung, dann greift das Finanzamt auf die Daten deines Rentenversicherungsträgers, deiner Versicherung und deiner Krankenkasse zu und sendet dir jedes Jahr deinen Steuerbescheid.

Welche Nachteile hat die Amtsveranlagung

Tatsächlich ist die Amtsveranlagung für viele Rentner, die nur durch einen Minijob etwas dazuverdienen und sonst keine Einnahmen oder Ausgaben haben, die steuerlich von Belang sind, eine Erleichterung.

Wir empfehlen dir dennoch eine Steuererklärung abzugeben, um Sonderausgaben, Werbungskosten, Pflegekosten, haushaltsnahe Dienstleistungen, Krankheitskosten und weitere Ausgaben von der Steuer abzusetzen. Nur so kannst du auf eine Steuerrückerstattung hoffen.

Was ändert sich bei der Amtsveranlagung 2019

Ab 2019 soll es in Mecklenburg-Vorpommern dann auch möglich sein, bestimmte Ausgaben steuerlich geltend zu machen. Außerdem können dann auch Pensionäre an der Amtsveranlagung teilnehmen.

Dennoch gibt es einen Haken: Wenn du keine Steuererklärung mehr selbst machen musst, besteht die Gefahr, dass du Ausgaben, die du hättest steuerlich geltend machen können, nicht mehr angibst.

Vor- und Nachteile Amtsveranlagung:

Vorteile:

  • Aufwandsminimierung für Rentner
  • Bürokratieabbau für Ämter

Nachteile:

  • Weniger Bewusstsein für Steuererleichterung
  • Keine Berücksichtigung aller absetzbaren Ausgaben
  • Aufwand für das Einschicken aller Belege für Steuerrückerstattung
  • Notwendiges Anfechten des automatischen Steuerbescheids
  • Finanzamt profitiert von nicht angegebenen Ausgaben
  • Sehr wenige Steuerzahler für die sich eine Amtsveranlagung lohnt
  • Amtsveranlagung ist ein Pilotprojekt und noch nicht ausgereift
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Zusammenfassung
Bei der Amtsveranlagung übernimmt das Finanzamt den Aufwand der Erstellung der Steuererklärung. Allerdings berücksichtigt es nur die zu versteuernden Einnahmen und nicht die steuerlich absetzbaren Ausgaben (Stand 11/2018). Zurzeit wird die Amtsveranlagung für Rentner im Inland nur in Mecklenburg-Vorpommern ausprobiert. Dort soll es erst 2019 möglich sein auch Belege einzuschicken, um Ausgaben steuerlich geltend zu machen. Welche Belege das sind und in welchem Umfang ist noch nicht bekannt. Andere Bundesländer wie Bremen wollen 2019 ebenfalls die Amtsveranlagung einführen. Zurzeit ist es nur Rentnern ohne zusätzliche Einnahmen (ausgenommen Minijob) möglich dieses Verfahren zu nutzen, wenn sie ein Formular ausgefüllt haben.

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