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Berliner Testament:
Das gegenseitige Erbe und die Steuer

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14. August 2020

Das sogenannte Berliner Testament gibt Eheleuten oder Paaren, die in einer eingetragenen Lebenspartnerschaft leben, die Möglichkeit, sich gegenseitig zu beerben. Verstirbt einer von beiden, so wird der andere zunächst Alleinerbe. Welche Vor- und Nachteile in diesem Modell liegen, erfährst du hier.

Was ist das Berliner Testament?

Bei einem Berliner Testament können sich Eheleute oder Partner, die in einer eingetragenen Lebensgemeinschaft leben, gegenseitig als Alleinerben einsetzen und ihren Nachlass gemeinsam organisieren. Das hat zur Folge, dass derjenige von beiden, der länger lebt, zunächst alles erbt und somit abgesichert ist bzw. seinen Lebensstandard nicht herabsetzen muss. Besteht das (gemeinsame) Vermögen beispielsweise aus einer Immobilie, so soll meist über diese Testamentform sichergestellt werden, dass der Überlebende sie noch bis zu seinem eigenen Tod weiter bewohnen kann.

Des Weiteren wird in dem Testament geregelt, wer nach dem Tod des zweiten Ehegatten das Erbe der nun beiden Verstorbenen erhält. Hierbei gibt es zwei Varianten:

Trennungslösung

Bei dieser Variante fällt das Vermögen des Verstorbenen dem Ehepartner zu, verbindet sich aber nicht mit dessen eigenem Vermögen. Verstirbt schließlich dieser erste Erbe, verteilt sich das Vermögen wieder auf unterschiedliche Nachfolger – beispielsweise begünstigt der eine Teil die Familie bzw. Verwandtschaft der Frau, der andere die des Mannes.

Einheitslösung

Bei der sogenannten Einheitslösung werden gemeinsam ein oder mehrere Schlusserben bestimmt, z.B. die gemeinsamen Kinder. Das Vermögen bildet somit nach dem ersten Erbvorgang eine Vermögensmasse, die dann geschlossen weitergegeben wird.

Pflichtteilsanspruch als Nachlassverbindlichkeit

Bei einem Berliner Testament wird die gesetzliche Erbfolge erst einmal außer Kraft gesetzt. Das bedeutet, dass du als Kind des Verstorbenen vorerst nichts erbst und darauf vertrauen musst, zu einem späteren Zeitpunkt bedacht zu werden. Das birgt natürlich das Risiko, dass sich bis dahin das Vermögen verkleinert.

Gesetzlich gesehen, hast du aber als Kind trotzdem das Recht, deinen Pflichtteil zu verlangen, auch wenn das in Unannehmlichkeiten münden sollte. Vor allem, wenn die Erbschaft in einer Immobilie besteht, in der der überlebende Ehepartner weiterhin leben möchten, kann die Forderung des Pflichtanteils beispielsweise zu einem erzwungenen, möglicherweise unwirtschaftlichen Verkauf führen.

Um das Risiko einer solchen Situation zu minimieren, gibt es die sogenannte Pflichtteils-Strafklausel. Hierin wird festgelegt, dass die Forderung des Pflichtteils unweigerlich zur Enterbung führt. Verlangst du als Nachkomme beispielsweise den Pflichtteil beim Erstverstorbenen, so erhältst du kein Erbe mehr beim Versterben des zweiten Ehegatten. Aber auch hier kannst du wieder auf deinen Pflichtteil pochen, der die Hälfte eines gesetzlichen Erbteils ausmacht. In vielen Fällen macht das nicht unbedingt einen großen Unterschied.

Ein weiteres Problem mit dem Berliner Testament besteht in der sogenannten wechselseitigen Verfügung. Es kann nach dem Tod eines Ehegatten nicht mehr widerrufen bzw. kann es auch nicht mehr über Änderungen angepasst werden. Im schlimmsten Fall kann das zur Konsequenz haben, dass jemand beerbt werden muss, der sich zu einem späteren Zeitpunkt dessen gar nicht als würdig erweist. Eine andere Folge können beispielsweise Steuernachteile durch eine unerwartete Wertsteigerung und das Übertreffen von Freibeträgen sein.

Das Berliner Testament und die Steuer: Freibeträge und Steuernachteile

Ein Berliner Testament kann unter Umständen zu steuerlichen Nachteilen führen, da größere Summen auf einen Schlag vererbt werden. Der länger lebende Ehepartner erbt zunächst einmal alles und das auf einmal. Handelt es sich um viel Besitz, können die Freibeträge somit unnötig überschritten werden. Für Ehepartner liegt der Freibetrag bei 500.000 Euro, für Kinder bei 400.000 Euro. Diese Freibeträge dürfen mehrfach, und zwar alle 10 Jahre genutzt werden. So lassen sich durch gute Planung und vorgezogene Schenkungen Schenkungs– und Erbschaftssteuer vermeiden.

Steigender Steuersatz

Die Steuersätze, die auf ein Erbe erhoben werden, hängen von der Höhe des Vermächtnisses und dem Verwandtschaftsgrad ab. So wird beispielsweise für die Steuerklasse I bei einem Betrag zu bis 75.000 Euro ein Steuersatz von sieben Prozent fällig. Bei einem Betrag bis 300.000 Euro sind es bereits elf Prozent und bei bis zu 600.000 Euro 15 Prozent. Handelt es sich bei den Begünstigten um Geschwister, Nichten oder Neffen liegt der Freibetrag bei nur 20.000 Euro und die Besteuerung beginnt direkt mit 15 Prozent.

Besteuerung für Schlusserben

Dadurch, dass die Schlusserben nicht in Portionen, sondern alles auf einmal erben, kann es leichter zur Anwendung höherer Steuersätze kommen. Eventuell muss eine unnötig hohe Erbschaftssteuer gezahlt werden, die über ein verteiltes Erbe oder Anpassungen im Testament hätte vermieden werden können.

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