Van

Erbschaftsteuer – Wie viel Erben zahlen

20. September 2017

Ein Verwandter stirbt und hinterlässt dir ein Erbe. Doch was genau passiert, wenn du erbst? Musst du dein Erbe versteuern? Wir klären die wichtigsten Fragen zum Thema Erbschaftsteuer.

Mitteilungspflicht der Erben

Sobald das Finanzamt von deiner Erbschaft erfahren hat, überprüft es, ob du eine Erbschaftsteuererklärung abgeben musst. Im Regelfall ist dies nicht notwendig, da es hohe Freibeträge gibt, die beim Erbe von nahen Verwandten wirken. Diese werden aufgrund des Verwandtschaftsgrads eingestuft:

Grad der Verwandtschaft
Freibetrag
Ehe- & eingetragene Lebenspartner
500.000 Euro
Kinder, Stief-, Adoptivkinder
400.000 Euro
Enkelkinder
200.000 Euro
Eltern & Großeltern
100.000 Euro
Geschwister, Stiefeltern, Schwiegerkinder
20.000 Euro
Nicht verwandt
20.000 Euro

Bei der Erbschaftssteuer werden nahe Verwandte und eheliche Lebenspartner in die so genannte Steuerklasse 1 kategorisiert. Entfernte Verwandte und ehemalige Lebenspartner gehören der Steuerklasse 2 an und die Steuerklasse 3 bilden sonstige Empfänger.

Genau gelten diese Steuersätze:

  • Steuerklasse 1: Ehepartner, eingetragene Lebenspartner, Kinder, Stiefkinder und Enkel, Stiefenkel, Urenkel, (Groß-)Eltern
  • Steuerklasse 2: Geschwister, geschiedener Ehepartner, Nichten und Neffen
  • Steuerklasse 3: Übrige Personen

Wichtig:
Die Erbschaftsteuer hat nichts mit der Einkommensteuererklärung zu tun. Sie ist eine eigenständige Steuerart.

Liegt das Erbe über dem Freibetrag, muss das Erbe nach dem gültigen Steuersatz der Steuerklasse versteuert werden.

Wie viel Erbschaftssteuer muss ich zahlen?

Du hast mehr geerbt als der Freibetrag zulässt? Dann musst du nun alles, was den Freibetrag überschreitet versteuern. Zu welchem Prozentsatz du das machen musst, erfährst du in der nachfolgenden Tabelle:

Höhe des Erbes (abzgl. Freibetrag)
Steuersatz Steuerklasse I
Steuersatz Steuerklasse II
Steuersatz Steuerklasse III
Bis 75.000 €
7 %
15 %
30 %
Bis 300.000 €
11 %
20 %
30 %
Bis 600.000 €
15 %
25 %
30 %
Bis 6 Mio €
19 %
30 %
30 %
Bis 13 Mio €
23 %
35 %
50 %
Bis 26 Mio €
27 %
40 %
50 %
Mehr als 26 Mio €
30 %
43 %
50 %

Wer zahlt die Erbschaftsteuer?

Generell ist niemand von der Erbschaftssteuer ausgeschlossen. Wer der deutschen Einkommensteuerpflicht unterliegt, ist ebenfalls dazu verpflichtet die Erbschaftsteuer zu zahlen. Es gibt dafür keine generelle Befreiung.

Erbst du also mehr als dein Freibetrag zulässt, musst du Steuern zahlen.

Wichtig:
Die Ausnahme der Erbschaftsteuerpflicht bildet seit 2009 eine selbstgenutzte Immobilie, die dem Ehepartner hinterlassen wird. Kinder dürfen steuerfrei eine Immobilie bis zu maximal 200 qm erben. Voraussetzung ist in allen Fällen, dass die Immobilie mindestens 10 Jahre genutzt wird, bevor sie wieder veräußert werden kann.

Banken und Behörden melden Erbschaften

Geerbtes Geld kannst du nicht vor dem Finanzamt verheimlichen. Auch wenn du dein Erbe nicht beim Finanzamt meldest, wird es auf anderem Weg davon erfahren. Zum Beispiel sind Standesämter dazu verpflichtet, Todesfälle anzuzeigen. Banken, Bausparkassen und Versicherungsunternehmen geben ebenfalls dem Finanzamt Bescheid, wenn ein Kunde verstorben ist.

Einzige Ausnahme bei Versicherungsunternehmen ist, wenn der von der Versicherung auszuzahlende Betrag oder das Guthaben des Kontos niedriger als 5.000 Euro ist. In diesem Fall wird das Finanzamt nicht benachrichtigt.

Auch Gerichte und Notare informieren das Finanzamt über Beurkundungen, die für die Erbschaftssteuer relevant sind. Eine Mitteilungspflicht über verstorbene Kunden gilt ebenfalls für deutsche Bankfilialen im Ausland. Dadurch soll verhindert werden, dass Geld im Ausland versteckt wird.

Wenn das Finanzamt nachfragt

Hat das Finanzamt den Verdacht einer Steuerhinterziehung, darf es Informationen anfordern. Dies kann zum Beispiel die Information darüber sein, wer wann eine Überweisung getätigt hat. Als Voraussetzung für das Einfordern von Informationen muss jedoch ein konkreter Verdacht bestehen.

Wie solch ein Verdacht entsteht? Ganz einfach, wenn sich zum Beispiel verschiedene Behörden austauschen und dabei deutliche Abweichungen zwischen den Angaben der Steuererklärung und dem tatsächlichen Vermögen auftauchen.

Erfährt das Finanzamt verspätet oder gar nicht von deinem großen Erbe, droht dir ein Verfahren wegen Steuerhinterziehung.

Erben haften zudem für hinterzogene Steuern des Erblassers und müssen so für dessen Steuernachzahlungen aufkommen. Entdeckst du in deinem Nachlass Schwarzgeld, musst du dies sofort dem Finanzamt melden, um nicht selbst in Verdacht einer Steuerhinterziehung zu kommen.

Übrigens:
Einen Teil der Hinterziehungszinsen kannst du als Nachlassverbindlichkeit von der Steuer absetzen.

Verwandte Artikel

Disclaimer

Wir machen keine Steuerberatung. Wir ersetzen keinen zertifizierten Steuerberater. Alle Angaben ohne Gewähr. Mehr Infos dazu findest Du in unseren Allgemeinen Geschäftsbedingungen.