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Kann ich Scheidungskosten von der Steuer absetzen?

20. September 2017

Eine Scheidung ist eine nicht nur emotional schwere Zeit. Sie ist häufig mit hohen Kosten verbunden, z.B. für einen Scheidungsanwalt. Ob du Scheidungskosten absetzen kannst, verraten wir dir hier.

Scheidungskosten als außergewöhnliche Belastung absetzen

Bis Ende 2012 konnten Kosten für Zivilrechtsprozesse, somit auch Scheidungen, als außergewöhnliche Belastung in die Steuererklärung eingetragen und abgesetzt werden.

Zum 01. Januar 2013 änderte sich die Gesetzeslage. In § 33 Abs. 2 des Einkommensteuergesetzes fügte der Gesetzgeber eine Neuerung hinzu. Diese besagt, dass Kosten für einen Rechtsstreit nur dann steuerlich abgesetzt werden dürfen, wenn es sich um Aufwendungen handelt, “ohne die der Steuerpflichtige Gefahr liefe, seine Existenzgrundlage zu verlieren und seine lebensnotwendigen Bedürfnisse in dem üblichen Rahmen nicht mehr befriedigen zu können.“

Diese Änderung hat zur Folge, dass es nun nicht mehr möglich ist, Scheidungskosten in der Steuererklärung abzusetzen.

Laut Gesetzgebung kannst du Scheidungskosten somit nicht mehr als außergewöhnliche Belastung absetzen.

Finanzgerichte sind sich uneinig

Deutsche Finanzgerichte sind sich allerdings uneinig über das Absetzen von Scheidungskosten. So kam es in den vergangenen Jahren zu unterschiedlichen Urteilen.

Im Oktober 2014 kam das Finanzgericht Rheinland-Pfalz in einem Streitfall zu dem Entschluss, dass Scheidungskosten als außergewöhnliche Belastungen absetzbar sind (Aktenzeichen: 4 K 1976/14). Auch das Finanzamt Münster entschied bei einem ähnlichen Fall so (Aktenzeichen: 4 K 1829/14 E).

Die Finanzgerichte Sachsen und Niedersachsen sprachen sich Ende 2014 und Anfang 2015 allerdings dagegen aus. Sie entschieden, dass Scheidungskosten nicht als außergewöhnliche Belastung von der Steuer absetzbar sind. Nun muss der Bundesfinanzhof ein eindeutiges Urteil fällen.

Versuche, die Scheidungskosten abzusetzen

Du siehst also, dass die Lage immer noch nicht geklärt ist. Daher haben wir eine Empfehlung für dich:

Trage deine Scheidungskosten in der Steuererklärung als außergewöhnliche Belastung ein. Du musst damit rechnen, dass auch dein zuständiges Finanzamt diese Kosten ablehnt. Allerdings hast hast du nach Eingang des Steuerbescheids einen Monat lang Zeit, Einspruch einzulegen. Dabei kannst du auf folgendes anhängige Verfahren beim Bundesfinanzhof hinweisen: VI R 66/14, VI R 81/14 und VI R 19/15.

Sollten sich die Richter des BFH dazu entscheiden, dass Scheidungskosten absetzbar sind, muss das Finanzamt deine Ausgaben anerkennen. Entscheidet sich das BFH dagegen, wird dein Steuerbescheid ohne die Berücksichtigung deiner Scheidungskosten als außergewöhnliche Belastungen gültig.

Was konnte bzw. kann ich als Scheidungskosten absetzen?

Bis 2013 konnten alle Kosten abgesetzt werden, die im direkten Zusammenhang mit der Scheidung standen. Dazu gehören:

  • Rechtsanwaltskosten
  • Gerichtskosten
  • Ausgaben für Gutachter und Sachverständige
  • Fahrtkosten zum Anwalt, Gericht und Notar

Zu beachten ist hier, dass die Kosten deine Grenze der zumutbaren Eigenbelastung überschreiten müssen. Alle Kosten, die darüber hinausgehen, kannst du steuerlich absetzen.

Nicht abzugsfähig sind die sogenannten Scheidungsfolgesachen. Dabei geht es um die Aufteilung des Vermögens bzw. der Gütertrennung. Hierunter fallen:

  • Unterhaltsverfahren
  • Verfahren über den Zugewinnungsausgleich und den Versorgungsausgleich
  • Regelung des Sorgerechts des Kindes
  • Änderung von Grundbucheinträgen
  • Sachverständigen- und Rechtsanwaltskosten, die dadurch entstanden sind

Der Zugewinnungsausgleich

Der sogenannte Zugewinn ist der Betrag, um den das Vermögen eines Ehegatten das anfängliche Vermögen übersteigt. Bei einer Scheidung kann der Zugewinn ausgeglichen werden, sofern nichts anderes im Ehevertrag vereinbart wurde.

Wichtig ist dabei, dass der Zugewinn nie unter Null sein kann. Somit werden Verluste des Ehegatten nicht ausgeglichen. Hat einer der Partner einen höheren Zugewinn als der andere, wird so ausgeglichen, bis beide gleich viel haben.

Der Versorgungsausgleich

Bei einem Versorgungsausgleich werden die Rentenansprüche unter den geschiedenen Ehepartnern aufgeteilt. Dazu zählen zum Beispiel:

  • Gesetzliche Rentenversicherung
  • Riester-Rente
  • Betriebliche Altersvorsorge
  • Berufsständische Altersvorsorge
  • Beamtenversorgung

Lässt sich ein Ehepaar scheiden, werden alle Rentenansprüche zusammengerechnet und gleichmäßig aufgeteilt.

Die Unterhaltszahlungen

Ein Ehepartner kann Unterhalt an den anderen zahlen. Das nennt sich Realsplitting. Dabei zahlt derjenige, der mehr verdient, Unterhalt an den Ex-Partner. Die Unterhaltszahlung kann der Unterhaltszahlende entweder als Sonderausgaben (mit der Einwilligung des Empfängers) oder als außergewöhnliche Belastung (ohne Einwilligung des Empfängers) absetzen.

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