Sparschwein

Schenkungssteuer:
Ab wann werden Geschenke teuer?

17. Oktober 2019

„Ein freundliches Wort kostet nichts und dennoch ist es das Schönste aller Geschenke.“ Das Sprichwort hat vermutlich nicht ganz unrecht, der ein oder andere würde sich aber sicherlich auch über ein großes Erbe freuen.
Doch neben dem Verlust eines vermutlich sehr nahestehenden Menschens gibt es einen weiteren Nachteil: Bei allen Geschenken, die einen bestimmten materiellen Wert überschreiten, freut sich nicht nur der Beschenkte, sondern auch das Finanzamt.

Wenn Geld oder Immobilien über einem Freibetrag liegen, wird eine Schenkungssteuer fällig, die im Unterschied zur Erbschaftssteuer bereits zu Lebzeiten des Schenkenden erhoben wird. Möchtest du also einen größeren Betrag verschenken oder damit beschenkt werden, solltest du ein paar Punkte vorab bedenken.

Erbschaftssteuer vs. Schenkungssteuer

Ein Erbe und eine Schenkung werden steuerlich etwa gleich behandelt. Der Unterschied liegt darin, dass eine Schenkung zu Lebzeiten stattfindet und ein Erbe natürlich erst mit dem Tod des Vermögenden in Kraft tritt. Die Schenkung besitzt jedoch einen entscheidenden Vorteil, weshalb sie häufig genutzt wird, um den Ansprüchen des Fiskus auszuweichen: Sie darf alle zehn Jahre wiederholt werden. Möchtest du dein Vermögen an deine eigenen Kinder weitergeben, darfst du ihnen somit alle zehn Jahre bis zu 400.000 Euro steuerfrei überlassen. Als eine Möglichkeit, jemanden zu enterben, eignet sie sich jedoch nicht, da mit dem Tod auch das zuvor verschenkte Vermögen den Pflichtteil des ungeliebten Erben steigen lässt.

Freibeträge und Schenkungssteuerklassen

Für beide Möglichkeiten gelten dieselben Steuersätze. Zur Bemessung gibt es unterschiedliche Steuerklassen, die mit denen, die du bereits von der Lohnsteuer kennst, nichts zu tun haben. Diese Steuerklassen richten sich nach dem Beziehungsverhältnis zwischen Schenkendem und Beschenktem. Wenn du deinem Kind einen Teil deines Vermögens überträgst, ist es etwas anderes, als wenn du deinen Geschwistern oder Freunden Geld oder geldwerte Objekte, wie Immobilien vermachst.

  • Steuerklasse I legt einen Steuersatz von 7 bis 30 % – je nach Höhe des Vermächtnis – fest und gilt bei Ehepartnern oder Lebenspartnern ab einem Schenkungsbetrag von über 500.000 Euro; bei Kindern, auch Stief- und Adoptivkindern oder Enkeln, deren Eltern verstorben sind, liegt der Freibetrag bei 400.000 Euro.
  • Steuerklasse II regelt das Geschenk an Eltern, Geschwister, Großeltern, Nichten und Neffen. Hierbei kommt es bereits ab einem Betrag von über 20.000 Euro zu einem Steuersatz von 15 bis 43 %.
  • Steuerklasse III kommt ins Spiel, wenn es sich um einen Begünstigten ohne verwandtschaftliche Verbindung handelt. Der Freibetrag liegt ebenfalls bei 20.000 Euro, der Steuersatz bei 30 bis 50 %.

Beispiel: Schenkst du deiner Tochter 475.000 Euro, überschreitest du den Freibetrag um 75.000 Euro. Diesen Betrag musst du also versteuern, und zwar mit 7 %. Schenkst du ihr mehr als 26,5 Millionen, muss alles, was über dem Freibetrag liegt, mit 30 % versteuert werden.

So kannst du die Schenkungssteuer reduzieren

Unabhängig von dem Freibetrag, der dir über die jeweilige Steuerklasse gestattet wird, gibt es noch andere Freibeträge, mit denen du dich vor einer Schenkung beschäftigen solltest:

Versorgungsfreibetrag: Anrecht auf diesen hast du nur als Ehegatte / Ehegattin oder als Kind bis zum Alter von 27 Jahren im Falle einer Erbschaft. Bis zu 256.000 Euro für Rentenleistungen können hierbei steuerfrei geltend gemacht werden.

Hausratfreibetrag: Dieser Freibetrag bezieht sich auf den verschenkten Hausrat. Bis zu einer Grenze von 41.000 Euro kannst du so den erhaltenen Hausrat als Angehöriger der Steuerklasse I absetzen.

Pflegefreibetrag: Diese Option darfst du nutzen, wenn du beispielsweise hinsichtlich des Verwandtschaftsgrades in die Steuerklasse II oder III fällst, aber den Erblasser bis zu seinem Tod unentgeltlich gepflegt hast.

Kostenfreibetrag: In Zusammenhang mit einer Schenkung oder einem Erbe können Kosten entstehen, beispielsweise die Aufwendungen für einen Notar. Dafür darfst du das erhaltene Vermögen, um eine Pauschale von 10.300 Euro kürzen.

Hinweis: Bei Immobilien ist für das Finanzamt wichtig, ob du sie selbst bewohnst oder vermietest. Handelt es sich um ein Familienwohnhaus/-wohnung, in dem du selbst lebst oder in das du einziehst, brauchst du hierfür keine Steuern zu zahlen. Möchtest du die Immobilie aber vermieten, verpachten oder verkaufen, wird sie damit steuerpflichtig.

Das musst du bei einer Schenkung beachten. Beachte die Pflichten!

Bist du von einer Schenkung betroffen, solltest du das rechtzeitig, innerhalb von drei Monaten, dem Finanzamt mitteilen. Du bist sogar zu dieser Meldung verpflichtet, es sei denn, die Schenkung wurde bei einem Notar oder vor Gericht bekundet. Nach §35 Erbschaftssteuergesetz ist das Finanzamt des Schenkenden zuständig. Für deine Mitteilung genügt ein formloses Schreiben, das folgende Punkte enthält:

  • Die persönlichen Daten der schenkenden und beschenkten Person
  • Eine Beschreibung des Geschenks
  • Eine Angabe über den Wert der Schenkung
  • Eine Angabe über das verwandtschaftliche Verhältnis zwischen Beschenktem und Schenkendem

So kannst du die Schenkungssteuer umgehen?

Eigenverwendung: Wenn du mindestens zehn Jahre selbst in einer Immobilie lebst, die du als Geschenk erhalten hast, sparst du dir die Schenkungssteuer.
Zerteilung des Gesamtbetrags: Wird innerhalb von zehn Jahren immer nur der gültige Freibetrag verschenkt, fallen keine Steuern an und du darfst die Schenkung beliebig oft wiederholen.
Kettenschenkungen: Bei dieser legalen Vorgehensweise werden verschiedene Angehörige beschenkt, die dann an eine Person weiterschenken. So kann der Freibetrag über Umwege erhöht werden.
Gelegenheitsgeschenke: Da es für Gelegenheitsgeschenke keine genaue Definition gibt, ist der Spielraum etwas größer. Zu Geburtstagen, Hochzeiten, Abschlüssen darf steuerfrei geschenkt werden. Jedoch sollte der Wert des Geschenks im Verhältnis zu dem Lebensstil des Beschenkten stehen.

Schenken ist schön, doch gibt es einige Tücken, die du beachten solltest. Schließlich sollen ja am meisten der Wohltäter und der Beschenkte profitieren, nicht das Finanzamt. Also behalte ein paar Dinge im Blick, damit die Freude auf beiden Seiten auch lange anhält.

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