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Steuerliche Situation nach der Trennung

20. August 2019

Nach einer Trennung musst du nicht nur organisatorisch, sondern auch steuerlich einiges beachten, wie z. B. den rechtzeitigen Wechsel der Steuerklasse. Wir zeigen, worauf du achten musst.

Sondersplitting im Trennungsjahr

Im Trennungsjahr hast du die Möglichkeit, dich weiterhin gemeinsam mit deinem Ehepartner veranlagen zu lassen, wenn ihr die Kombination Steuerklasse 3 und 5 habt. Ihr könnt auch in die Steuerklasse 1, 2 oder 4 wechseln oder euch einzeln veranlagen lassen.

Für das Sondersplitting ist das Datum der Trennung ausschlaggebend:

Trennung Ende des Jahres:
Ihr müsst euch bis Ende Dezember um den Steuerklassenwechsel für das nächste Jahr kümmern, da die gemeinsame Veranlagung nur für das aktuelle Kalenderjahr gilt.

Trennung im Laufe des Jahres:
Ihr könnt bis zum 31.12. in euren jeweiligen Steuerklassen bleiben.

Für die gemeinsame Veranlagung reicht es, wenn ihr einen Tag im Trennungsjahr zusammengelebt habt.

Achtung: Versäumt ihr den rechtzeitigen Steuerklassenwechsel, drohen euch eine Steuernachzahlung und ein Steuerstrafverfahren!

Heirat nach der Scheidung

Heiratest du im selben Kalenderjahr, in dem du und dein Ex-Partner das Sondersplitting in Anspruch genommen habt, dann gilt der Splittingtarif für dich und deinen neuen Ehepartner (§ 26 Abs. 1 Satz 2 EStG). Dein Ex wird dann einzeln veranlagt. Ist dein Ex-Partner in der Steuerklasse 3, muss er nach deiner Heirat mit Steuernachforderungen rechnen.

Steuerklassenwechsel – Welche Bedingungen gelten

Für den Steuerklassenwechsel musst du die „Erklärung zum dauernden Getrenntleben” abgeben, mit der du das Finanzamt über euren Trennungsstatus informierst. Je nachdem in welche Steuerklasse ihr als Ehepaar eingeordnet wart, hat der Wechsel in die Steuerklasse 1 unterschiedliche Konsequenzen:

Wechsel aus der Steuerklasse 4:

  • Geringe Veränderung des Nettoeinkommens
  • Keine Steuererstattung am Jahresende

Wechsel aus der Steuerklasse 3:

  • Geringeres Nettoeinkommen wegen höherer Steuerabzüge

Wechsel aus der Steuerklasse 5:

  • Höheres Nettoeinkommen, das geringere Nettoeinkommen in der Kombination 3/5 wurde jedoch durch das gemeinsame Einkommen mit dem besserverdienenden Partner ausgeglichen

Vor- und Nachteile der gemeinsamen Veranlagung

Will nur einer der Ehepartner den Steuerklassenwechsel, wird es kompliziert. Steuerrechtlich ist der Wechsel durch nur einen von euch möglich. Das Finanzamt akzeptiert den Änderungsantrag.

Das Familienrecht legt jedoch fest, dass die Präferenz des einen nicht für den anderen gilt (§ 1353 BGB). Daher ist der Wechsel ohne die Zustimmung des Ehepartners nicht ohne weiteres möglich. Bist du der Besserverdienende, kannst du die Zustimmung zur gemeinsamen Veranlagung einklagen. Du musst deinem Ehepartner dann monatlich die finanziellen Verluste ausgleichen.

Meistens lohnt es sich, im Trennungsjahr in der Kombination 3/5 zu bleiben. Da ihr durch den Splittingtarif steuerlich profitiert und das Nettoeinkommen des Besserverdienenden höher ist, hast du als geringer verdienender Partner ebenfalls Vorteile. Wenn du kein oder ein geringes Einkommen hast, giltst du als bedürftig und kannst von deinem Ehepartner Trennungsunterhalt fordern. Dieser fällt in der gemeinsamen Veranlagung höher aus als in der Einzelveranlagung.

Eine Ausnahme gilt, wenn die Zusammenveranlagung steuerlich nachteilig ist. Dies ist eventuell der Fall, wenn einer von euch beiden dem Progressionsvorbehalt unterliegende Einkünfte hat, wie z.B. Arbeitslosengeld I. Diese Art von Einkünften ist zwar steuerfrei, wird aber als Teil der Gesamteinnahmen bei der Einkommensteuer berücksichtigt und erhöht dadurch den Steuersatz.

Kindergeld, Steuerklasse 2 und Entlastungsbetrag

Die Trennung hat auch Auswirkungen auf das Kindergeld bzw. auf den Anspruch aufs Kindergeld. Hierbei findet das sogenannte Obhutsprinzip Anwendung. Demnach hat jener Elternteil Anspruch auf Kindergeld, bei dem das Kind dauerhaft im Haushalt lebt bzw. gemeldet ist. Nach der Trennung hast du also Anspruch auf das Kindergeld bzw. den Kinderfreibetrag.

Bei gleichberechtigter Erziehung des Kindes bzw. bei geteiltem Sorgerecht wird das Kindergeld zur Hälfte aufgeteilt, wenn sich beide Elternteile die Betreuung gleichmäßig teilen (OLG Düsseldorf, Az: II-07 UF 45/13). Wichtig ist hierbei die gleichberechtigte Betreuung in den Haushalten.

In diesem Fall ist der Wechsel in die Steuerklasse 2 sinnvoll. Voraussetzung dafür ist jedoch, dass du nur mit deinen Kindern zusammen lebst. Wohnt dein neuer Partner oder eine andere erwachsene Person bei euch, die einen finanziellen Beitrag zum gemeinsamen Haushalt leistet, kannst du nicht wechseln.

Alleinerziehende haben einen Anspruch auf einen Entlastungsbetrag pro Kind. Während des Trennungsjahrs hast du jedoch keinen Anspruch darauf, da du das Ehegattensplitting anwenden kannst. Dasselbe gilt, wenn du im Trennungsjahr wieder heiratest.

Unterhaltszahlungen in der Steuer

Im Trennungsjahr hast du Anspruch auf Unterhalt, wenn du kein oder ein deutlich geringeres Einkommen als dein Ehepartner hast (§ 1361 BGB). Voraussetzung ist, dass dieser in der Lage ist, Unterhaltszahlungen zu leisten. Das bemisst sich auch daran, ob ihm dann noch genug für den eigenen Lebensunterhalt verbleibt. Dieser Selbstbehalt beträgt laut Düsseldorfer Tabelle aktuell 1.200 Euro netto.

In der Tabelle sind zudem die Bedarfssätze festgelegt, die für den Kindesunterhalt gelten. Als Unterhaltszahler kannst du einen Teil des Kindergeldes auf die Unterhaltszahlung anrechnen lassen. Der angerechnete Betrag hängt von der Höhe des Unterhalts ab.

Kindesunterhalt kannst du allerdings nicht von der Steuer absetzen.

Wechselst du nach der rechtskräftigen Scheidung von Steuerklasse 3 in Steuerklasse 1 und zahlst den Kindesunterhalt, sinkt der Betrag, da du nun ein geringeres Nettoeinkommen hast. Heiratest du erneut und wechselst abermals in die Steuerklasse 3, steigt der Betrag entsprechend wieder.

Als Unterhaltszahler kannst du die Zahlung von Ehegattenunterhalt auf zwei Arten von der Steuer absetzen:

  • als Sonderausgaben (Realsplitting)
  • als außergewöhnliche Belastung

Unterhaltszahlungen als Sonderausgaben

Bis zu 13.805 Euro deiner Unterhaltskosten kannst du jährlich als Sonderausgaben absetzen. Die gezahlte Summe trägst du im Mantelbogen deiner Steuererklärung auf Seite 2 und in der Anlage U im Abschnitt A ein.

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Die Anlage U ist ein Antrag auf Abzug von Unterhaltsleistungen als Sonderausgaben. Dein Ehepartner, der den Unterhalt erhält, muss im selben Formular bestätigen, dass er deinem Antrag zustimmt und die Summe in der Anlage SO als „sonstige Einkünfte“ angeben. Der Sonderausgabenabzug wird als Realsplitting bezeichnet.

Unterhaltszahlungen sind für den Empfänger regulär steuerfrei. Willigst du als Unterhaltsempfänger in den Antrag ein, wird die Unterhaltszahlung als sonstiges Einkommen für dich steuerpflichtig. Diesen Verlust durch höhere Steuern ersetzt der Unterhaltszahler mit einem Nachteilsausgleich.

Unterhaltszahlungen als außergewöhnliche Belastungen

Entscheidest du dich für die Absetzung der Unterhaltszahlungen als außergewöhnliche Belastung, kannst du maximal 8.820 Euro pro Jahr absetzen. Dies gibst du in der Anlage Unterhalt an. Dein Ehepartner muss den Unterhalt nicht versteuern, aber sein Einkommen dem Finanzamt offenlegen.

Achtung: Da deinem Ehepartner das Auskunftsverweigerungsrecht zusteht, kann es sein, dass dir dann die Unterhaltszahlungen nicht steuerlich anerkannt werden.

Kann man Scheidungskosten absetzen?

Nein.
Der Bundesfinanzhof (BFH) urteilte im Mai 2017, dass Scheidungskosten nicht mehr absatzfähig sind. Laut des Urteils (BFH Urteil v. 18.5.2017, VI R 9/16) bejaht das BFH einerseits die Zwangsläufigkeit von Scheidungskosten, andererseits bestehe jedoch keine Gefährdung der Existenzgrundlage bei einem Scheidungsverfahren. Daher können Scheidungskosten nicht als „außergewöhnliche Belastung“ anerkannt werden.

Nach der Scheidung ändern sich bei dir steuerlich einige Dinge. Wir empfehlen dir daher, eine Steuererklärung zu machen. Bequem und schnell mit Taxfix.

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