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Kann man Unfallkosten von der Steuer absetzen?

20. September 2017

Hast du auf einer beruflichen Fahrt einen Autounfall, entstehen dir trotz Versicherung hohe Kosten. Du kannst aber selbst getragenen Unfallkosten als Werbungskosten von der Steuer absetzen.

Wann sind die Unfallkosten absetzbar?

Damit deine Unfallkosten als Werbungskosten gelten, musst du zwei Voraussetzungen erfüllen:

  1. Du trägst diese Kosten selbst.
  2. Der Unfall ereignete sich während einer Fahrt mit beruflichem Zusammenhang.

Dabei gelten folgende Fahrten als beruflich bedingt:

  • Wege zur oder von der Arbeit
  • Dienstreisen
  • Bestimmte kleine Umwege zum Tanken oder zur Abholung von Mitfahrern einer Fahrgemeinschaft
  • Leerfahrten, bei denen z.B. ein Ehepartner Überstunden macht und von dem anderen abgeholt wird
  • Wenn dein Partner dich wegen einer Auswärtstätigkeit mit dem Auto zum Bahnhof fährt
  • Fahrten aufgrund von beruflich bedingter doppelter Haushaltsführung:
    Familienheimfahrten, wenn du von deiner Familie zurückfährst
    Wenn du mit dem Zug zu deiner Zweitwohnung fährst und dein Ehepartner dich zum Bahnhof fährt

Welche Kosten steuerlich absetzbar sind

Hast du die Kosten eines beruflich bedingten Unfalls selbst getragen, kannst du alle Aufwendung die damit im Zusammenhang stehen absetzen. Dazu zählen zum Beispiel:

  • Reparaturkosten
  • Unfallnebenkosten (Fahrten zur Werkstatt, zum Rechtsanwalt oder zum Gericht, Telefonkosten, Schriftverkehr o.ä.)
  • Abschleppdienst
  • Mietwagen während der Reparaturzeit oder bis zum Neukauf
  • Selbstbeteiligung bei Vollkasko- und Teilkaskoversicherungen
  • Autoverschrottung
  • Ausfall an Arbeitszeit
  • Beschädigte Gegenstände, auch private wie z.B. Laptop, Handy, Gepäck
  • Schmerzensgeld bei Verletzungen

Unerheblich ist, ob der Unfall mit einem Dienstwagen oder mit deinem eigenen Auto geschieht.

Unfallkosten in der Steuererklärung eintragen

Deine eigenen Kosten trägst du in der Anlage N unter „Weitere Werbungskosten” ein.

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Für Werbungskosten gibt es keine Höchstgrenzen. Daher lohnt es sich, alle Quittungen und Rechnungen zu sammeln und die kompletten Kosten anzugeben. Du musst bei deiner Steuererklärung die Belege nicht mehr sofort einreichen. Nur bei Nachfragen seitens des Finanzamts reichst du sie nach. Ebenso musst du den Unfallbericht der Polizei als Nachweis bei Nachfragen vorlegen.

Übernahme der Kosten

Wurde der Unfall von deinem Unfallgegner verursacht, übernimmt dessen Kfz-Haftpflichtversicherung in der Regel alle Kosten, die dir entstanden sind. In diesem Fall kannst du sie nicht in der Steuererklärung geltend machen. Du musstest ja nichts selbst bezahlen.

Hat der Unfallverursacher seine Versicherungspflicht ignoriert, musst du die Kosten vorerst selbst tragen. In der Folge hast du die Möglichkeit, ihn auf Erstattung deiner Ausgaben zu verklagen. Bis zur Gerichtsentscheidung kannst du deine Aufwendungen als Werbungskosten absetzen.

Ist deine Klage erfolgreich, verrechnest du die Erstattung der Unfallkosten mit deiner Steuerersparnis, die du durch die Absetzung als Werbungskosten hattest. Dafür korrigierst du nachträglich deine Steuererklärung.

Eigene Mitschuld am Unfall

Trägst du Mitschuld am Unfall durch z.B. Überschreiten der Höchstgeschwindigkeit, dann verhält es sich anders. Deine Haftpflichtversicherung wird zwar die Kosten übernehmen. Unter Umständen nimmt sie dich aber in Regress und du musst einen Teil an die Versicherung zurückzahlen. Auch diese Ausgaben kannst du als Werbungskosten absetzen.

Ausschlaggebend hierfür ist, dass dein Fehlverhalten in direktem beruflichen Zusammenhang steht.
Ein Beispiel hierfür: Du fährst mit erhöhter Geschwindigkeit, um einen wichtigen beruflichen Termin wie zum Beispiel ein Vorstellungsgespräch pünktlich zu erreichen.

Anders verhält es sich bei grober Fahrlässigkeit, zum Beispiel bei Fahrten unter Alkoholeinfluss. Diese Unfallkosten wird das Finanzamt nicht anerkennen.

Unfallkosten als außergewöhnliche Belastung

In Sonderfällen kannst du die Unfallkosten als außergewöhnliche Belastungen absetzen. Fährst du z.B. behinderte Familienangehörige zu einem Arzttermin oder zu ihrer Arbeit und hast auf dem Weg einen Autounfall, werden die Unfallkosten als Teil der außergewöhnlichen Belastungen behandelt.

Außergewöhnliche Belastungen gibst du im Mantelbogen an:

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Wann Unfallkosten nicht absetzbar sind

In folgenden Situationen sind die Unfallkosten nicht absetzbar, da die Fahrten nicht aus beruflichen Gründen stattfinden:

  • Private Fahrten
  • Probefahrten
  • Fahrten in der Mittagspause zum Mittagessen
  • Umwege auf beruflichen Fahrten, um private Besorgungen zu erledigen

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