Erika Küspert
Veröffentlicht am: 12.11.2025
Aktualisiert am: 12.11.2025
Lesezeit: 4 Minuten
Lineare Abschreibung: Definition, Berechnung und steuerliche Wirkung
Die lineare Abschreibung ist die am häufigsten verwendete Methode, um Anschaffungs- und Herstellungskosten von Anlagegütern steuerlich über deren Nutzungsdauer zu verteilen.
Sie sorgt für gleichbleibende Abschreibungsbeträge pro Jahr und ist damit einfach, planbar und rechtssicher.
Hier erfährst du, wie die lineare Abschreibung funktioniert, welche gesetzlichen Regeln gelten und wie sie in der Buchhaltung gebucht wird.
Erika Küspert
Veröffentlicht am: 12.11.2025
Aktualisiert am: 12.11.2025
Lesezeit: 4 Minuten
Das Wichtigste in Kürze
- Die lineare Abschreibung verteilt die Anschaffungskosten eines Wirtschaftsguts gleichmäßig über die Nutzungsdauer.
- Rechtsgrundlage: § 7 Abs. 1 Einkommensteuergesetz (EStG) .
- Formel:
Jährliche AfA = Anschaffungskosten ÷ Nutzungsdauer - Abschreibungsbeginn: ab dem Monat der Anschaffung oder Inbetriebnahme.
- Gilt für bewegliche und unbewegliche abnutzbare Anlagegüter (z. B. Maschinen, Fahrzeuge, Gebäude).
Was bedeutet lineare Abschreibung und wie funktioniert sie?
Bei der linearen Abschreibung wird der Wert eines Wirtschaftsguts gleichmäßig über seine betriebsgewöhnliche Nutzungsdauer verteilt.
Das heißt, du schreibst jedes Jahr den gleichen Betrag ab, bis der Buchwert null erreicht ist.
Beispiel:
Du kaufst 2025 eine Maschine für 10.000 € netto mit einer Nutzungsdauer von 5 Jahren.
→ Du kannst jährlich 2.000 € (10.000 ÷ 5) abschreiben.
Tipp
Die lineare Abschreibung sorgt für konstante Jahreskosten, was die Finanzplanung vereinfacht.
Für welche Wirtschaftsgüter ist die lineare Abschreibung anwendbar?
Die lineare Abschreibung darf grundsätzlich auf alle abnutzbaren, selbstständig nutzbaren Wirtschaftsgüter des Anlagevermögens angewendet werden.
Beispiele:
- Maschinen und technische Anlagen,
- Büroausstattung (Computer, Möbel, Drucker),
- Fahrzeuge (Firmenwagen, Transporter),
- Gebäude (außer Grund und Boden),
- Werkzeuge und Betriebs- und Geschäftsausstattung (BGA).
Nicht anwendbar für:
- Nicht abnutzbare Güter (z. B. Grundstücke, Beteiligungen),
- Umlaufvermögen (z. B. Rohstoffe, Handelsware).
Nach welchen gesetzlichen Grundlagen wird die lineare Abschreibung berechnet?
Die gesetzliche Grundlage bildet § 7 Abs. 1 EStG.
Danach gilt:
„Bei abnutzbaren Wirtschaftsgütern des Anlagevermögens sind die Anschaffungs- oder Herstellungskosten gleichmäßig auf die Jahre der voraussichtlichen Nutzungsdauer zu verteilen.“
Die betriebsgewöhnliche Nutzungsdauer richtet sich nach den AfA-Tabellen des Bundesfinanzministeriums (BMF).
Darin ist für jede Anlageart eine durchschnittliche Lebensdauer festgelegt – z. B.:
Wirtschaftsgut | Nutzungsdauer lt. AfA-Tabelle |
Computer, Laptop | 3 Jahre |
Pkw | 6 Jahre |
Möbel | 13 Jahre |
Gebäude (Büro) | 33 bis 50 Jahre |
Wie lautet die Formel zur Berechnung der jährlichen Abschreibungsbeträge?
Die Berechnung ist einfach und basiert auf den Anschaffungskosten und der Nutzungsdauer:
Jährliche Abschreibung = Anschaffungskosten ÷ Nutzungsdauer
Beispiel:
Anschaffungskosten: 12.000 €
Nutzungsdauer: 6 Jahre
→ Jährliche Abschreibung = 12.000 ÷ 6 = 2.000 € pro Jahr
Monatsgenaue Abschreibung:
Kauf im Juli → Nutzung ab 01.07.2025
→ Du darfst 6/12 von 2.000 € = 1.000 € im ersten Jahr abschreiben.
Hinweis
Abschreibung beginnt ab dem Monat der Anschaffung oder Inbetriebnahme, nicht ab Zahlungsdatum.
Welche Vor- und Nachteile hat die lineare Abschreibung im Vergleich zu anderen Methoden?
Kriterium | Lineare Abschreibung | Degressive Abschreibung |
Abschreibungsbetrag | konstant jedes Jahr | höher zu Beginn, sinkend über Zeit |
Liquiditätsvorteil | gleichmäßig | stärker in den ersten Jahren |
Planbarkeit | sehr hoch | ebenfalls hoch – Beträge sind von Beginn an berechenbar |
Steuerentlastung | gleichmäßig verteilt | stärker zu Beginn |
Zulässigkeit | immer erlaubt | nur zeitweise vom Gesetzgeber zugelassen |
Fazit:
Die lineare Abschreibung bietet Planungssicherheit und einfache Anwendung, während die degressive Variante kurzfristig mehr Steuervorteile bringt – sofern sie gesetzlich erlaubt ist.
Wie wird die lineare Abschreibung in der Buchhaltung gebucht und dokumentiert?
In der Buchhaltung wird die Abschreibung als Aufwand verbucht und mindert den Gewinn.
Der Wert des Wirtschaftsguts reduziert sich gleichzeitig auf der Aktivseite der Bilanz.
Buchungssatz (Beispiel):
Abschreibungen auf Sachanlagen (Konto 4830) an Maschinen (Konto 0300) 2.000 €
Wichtige Dokumente:
- Rechnung bzw. Anschaffungsnachweis,
- AfA-Berechnung (Nutzungsdauer, AfA-Tabelle),
- Anlagenverzeichnis (für jedes Wirtschaftsgut einzeln).
Tipp
Verwende Buchhaltungssoftware wie DATEV, Lexoffice oder sevDesk – diese berechnen und buchen Abschreibungen automatisch über die Nutzungsdauer.
FAQ: Häufige Fragen zur linearen Abschreibung
Ab dem Monat der Anschaffung oder Inbetriebnahme (§ 7 Abs. 1 Satz 4 EStG).
Beispiel: Anschaffung am 15. April → Abschreibung beginnt ab 1. April.
Nein.
Ein Wechsel von linear auf degressiv (oder umgekehrt) ist nicht zulässig, sobald du dich für eine Methode entschieden und sie angewendet hast (§ 7 Abs. 3 EStG).
Die Abschreibungsbeträge gelten als Betriebsausgabe und mindern den steuerpflichtigen Gewinn.
Das bedeutet: Du zahlst in den Nutzungsjahren weniger Einkommen-, Körperschaft- oder Gewerbesteuer.
Disclaimer
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