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Ist Unterhalt steuerlich absetzbar?

13. November 2018

Ist Unterhalt steuerlich absetzbar? Die Antwort auf die Frage ist ein klares Jein. Denn ob du Unterhalt von der Steuer absetzen kannst, hängt von einer ganzen Reihe von Faktoren ab.

Unterhalt für Ehegatten

Wenn du verheiratet bist, seid als Eheleute untereinander unterhaltspflichtig (§ 1360 BGB). Solange die Ehe besteht, wird diesem Umstand steuerlich durch das Ehegattensplittings Rechnung getragen. Der besserverdienende Ehegatte hat darüber hinaus die Möglichkeit, die günstigere Steuerklasse III zu nutzen, sofern der schlechter verdienende Partner Steuerklasse V akzeptiert.

Wenn du dauernd getrennt lebst oder geschieden bist, ändern sich die Regeln, die für die Unterhaltszahlungen gelten, auch steuerrechtlich. Die Lohnsteuerklasse III steht dir dann nicht mehr offen. Du kannst jedoch den Unterhalt, den du zahlst, zumindest teilweise als Sonderausgaben und ersatzweise als außergewöhnliche Belastungen geltend machen.

Dauernd getrennt lebend:
Im § 1567 Absatz 1 BGB definiert der Gesetzgeber diesen Status so:
„Die Ehegatten leben getrennt, wenn zwischen ihnen keine häusliche Gemeinschaft besteht und ein Ehegatte sie erkennbar nicht herstellen will, weil er die eheliche Lebensgemeinschaft ablehnt. Die häusliche Gemeinschaft besteht auch dann nicht mehr, wenn die Ehegatten innerhalb der ehelichen Wohnung getrennt leben.“

Realsplitting

Machst du als leistender Ehegatte den Trennungsunterhalt oder den nachehelichen Unterhalt als Sonderausgaben geltend, wird dies auch Realsplitting bezeichnet. Die Rechtsgrundlage dafür bildet § 10 Abs. 1a Nr.1 EStG.

Das Realsplitting basiert genau wie das Ehegattensplitting auf dem so genannten Leistungsfähigkeitsprinzip. Die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit des Unterhalt zahlenden Ehegatten vermindert sich, während die des begünstigten Ehegatten steigt.

Der leistende Ehegatte kann die Unterhaltsaufwendungen deshalb von der Steuer absetzen, während der empfangende Gatte diese Einnahmen versteuern muss. Faktisch ermöglicht das Realsplitting (ehemaligen) Partnern das Ehegattensplitting zumindest teilweise über den Bestand der Ehe hinaus fortzuführen.

Diese Option eignet sich für alle (ehemaligen) Paare, bei denen der zur Unterhaltszahlung verpflichtete Partner deutlich mehr verdient, als der begünstigte. In diesem Fall sorgt die Steuerprogression dafür, dass zahlende Gatte mehr Steuern spart, als der unterstützte Gatte auf die Unterhaltszahlungen entrichten muss.

Das Realsplitting ist an eine Reihe von Bedingungen geknüpft, die meist nur die Paare erfüllen können, die sich gütlich getrennt haben und sich nicht feindlich gegenüberstehen.

  • Das Realsplitting setzt nach § 10 Abs. 1a Nr.1 EStG die Zustimmung des Empfängers voraus. Der begünstigte Ehegatte ist aber nicht verpflichtet, dem Realsplitting zuzustimmen, sondern tut dies freiwillig.
  • Etwas anderes gilt, wenn das Realsplitting im Ehevertrag oder in der Scheidungsvereinbarung festgelegt wurde. In diesem Fall kann der Geber den Nehmer auf Zustimmung verklagen. Das Urteil ersetzt dann die persönliche Zustimmung des Ehegatten (§ 894 ZPO).
  • Das Realsplitting muss für jedes Kalenderjahr neu beantragt werden. Die Zustimmung des Empfängers muss dazu jedes Jahr aufs Neue erteilt werden und ist jederzeit widerrufbar.
  • Der Unterhaltsleistende muss die Steuer -Identifikationsnummer des Empfängers in seiner Steuererklärung angeben. Der Unterhaltsempfänger ist zur Herausgabe dieser Information verpflichtet, sofern er dem Realsplitting zugestimmt hat.

Kommst du als Unterhaltszahler nicht an die Steuer-ID deines Partners kannst du bei der zuständigen Finanzbehörde die Identifikationsnummer erfragen (§ 10 Abs. 1a Nr.1 S. 9 EStG).

Wie viel darfst du absetzen?

Im Rahmen des Realsplittings kannst du Unterhaltsleistungen nicht unbegrenzt, sondern nur bis zu einem Höchstbetrag absetzten. Dieser beträgt im Jahr 2018 13.805 Euro je Kalenderjahr.

Das gilt auch dann, wenn du vertraglich einen höheren Unterhalt vereinbart hast oder gerichtlich zu einer höheren Unterhaltszahlung verurteilt worden bist. Wenn du an mehrere (Ex-) Gatten Unterhalt leistest, kannst du diesen Betrag für jeden Unterhaltsempfänger geltend machen. Zahlst du darüber hinaus für deinen (Ex-) Gatten neben dem eigentlichen Unterhalt auch noch die Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung, kannst du diese Aufwendungen zusätzlich, also über den Höchstbetrag von 13.805 Euro hinaus, von der Steuer absetzen.

Deine Unterhaltszahlungen kannst du ganz einfach mit Taxfix absetzen. Dir werden dazu einfach zu beanwortende Fragen gestellt und all deine Angaben automatisch in die richtige der Steuererklärung eingefügt.

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  • Abzug des Ehegattenunterhalts als außergewöhnliche Belastungen

    Kommt das Realsplitting nicht in Frage, bleibt dir als Unterhaltszahler noch die Möglichkeit, deine Zahlungen als außergewöhnliche Belastungen steuerlich abzusetzen. Der jährliche Höchstbetrag beträgt hier 9.000 Euro pro Kalenderjahr (gemäß § 33a Abs. 1 EStG).

    Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung kannst du zusätzlich in deine Steuererklärung eintragen, falls du sie nicht bereits als Sonderausgaben geltend machst.

    Bei dieser Variante werden die Unterhaltszahlungen beim Empfänger nicht versteuert. Dein Ex-Partner muss daher auch nicht zustimmen, wenn du diese Variante nutzen möchtest.

    Auskunftspflicht oder nicht

    Dennoch hat auch diese Alternative einen Haken. Im Rahmen des § 33a EStG kannst du Unterhaltszahlungen nur angeben, wenn du dazu gesetzlich verpflichtet und der Empfänger bedürftig ist. Das Finanzamt will deshalb regelmäßig wissen, wie hoch die Einkünfte des Empfängers sind, um die Höhe der absetzbaren Unterhaltsleistungen zu überprüfen. Dieser darf sich aber weigern, hierüber Auskunft zu erteilen.

    Etwas anderes gilt auch hier nur, wenn vertraglich oder gerichtlich eine Auskunftspflicht bestimmt wurde. Schon aus diesem Grund lohnt es sich, einen Ehevertrag zu schließen und steuerliche Aspekte dabei zu berücksichtigen.

    Kindesunterhalt steuerlich geltend machen

    Im Fall einer Trennung oder Scheidung wird in aller Regel auch Unterhalt für die gemeinsamen Kinder gezahlt. Wenn du den Kindesunterhalt steuerlich geltend machen willst, erfolgt dies ebenfalls gemäß § 33a EStG als außergewöhnliche Belastung. Die Höchstgrenze beträgt auch hier wiederum 9.000 Euro je Kind und Kalenderjahr. Auch hier darfst du Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung zusätzlich in deine Steuererklärung eintragen.

    Du kannst deine Unterhaltszahlungen an dein Kind aber nur dann von der Steuer absetzen, wenn für das Kind kein Anspruch auf Kindergeld bzw. Kinderfreibetrag besteht. Dabei ist es egal, bei wem dein Kind wohnt.

    Achtung:
    Gemäß einem BGH-Urteil aus dem Jahr 1991 (BFH-Urteil vom 20.9.1991, III R 91/89, BStBl. 1992 II S. 137) darfst du nicht auf Erstattungsmöglichkeiten freiwillig verzichten, wenn du Ausgaben als außergewöhnliche Belastungen geltend machen willst.

    Unterhaltszahlungen an dein Kind kommen deshalb nur für Kinder über 25 Jahre in Frage, für die kein Anspruch auf Kindergeld mehr besteht. Wenn deine Tochter studiert oder dein Sohn in diesem Alter seine Ausbildung noch nicht abgeschlossen hat und du dein Kind finanziell unterstützt, kannst du diese Aufwendungen als außergewöhnliche Belastungen von der Steuer absetzen.

    Hat dein Kind allerdings eigene Einkünfte, zum Beispiel, weil die Tochter neben dem Studium jobbt und der Sohn als Auszubildender eine Vergütung erhält, dann kannst du nur den Unterhalt von der Steuer absetzen, auf den dein Kind nach Berücksichtigung seiner eigenen Einkünfte noch einen Anspruch hat. Der jährliche Freibetrag, der hierbei nicht angerechnet wird, beträgt im Jahr 2018 624 Euro.

    Unterhalt für den Lebensgefährten und andere Familienangehörige

    Diese Unterhaltszahlungen kannst du nur dann von der Steuer absetzen, wenn du gesetzlich dazu verpflichtet bist. Das gilt gemäß § 1601 BGB nur für Verwandte in gerader Linie. Also für (Ur-) Großeltern, Eltern, Kinder und (Ur-) Enkelkinder sowie für (ehemalige) Ehegatten.

    Eine Partnerin oder ein Partner, mit dem du in eheähnlicher Gemeinschaft lebst, wird Personen mit gesetzlichen Unterhaltsansprüchen steuerlich gleichgestellt.

    Unterstützt du deine Eltern oder Großeltern, weil diese die Kosten der Heimunterbringung nicht alleine tragen können und die Erstattungen der Kranken- bzw. Pflegekasse nicht ausreichen, kannst du die damit verbundenen Ausgaben ebenfalls als außergewöhnliche Belastungen steuerlich absetzen.

    Unterhaltsleistungen, die du freiwillig für Verwandte in der Seitenlinie, also zum Beispiel für Geschwister oder deren Kinder erbringst, kannst du nicht steuerlich geltend machen. Eine Ausnahme gilt hier nur, wenn die begünstigte Person mit dir in einem Haushalt lebt und deshalb keine Transferleistungen (z. B. Hartz IV, Sozialhilfe, Wohngeld, BAföG, etc.) erhält oder diese Leistungen aus diesem Grund gekürzt wurden.

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