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Gewerbesteuer berechnen — Freibetrag, Hebesatz und Gewerbesteuermessbetrag erklärt

Die Gewerbesteuer ist eine kommunale Steuer auf Gewinne aus Gewerbebetrieb. Ob (und wie viel) du zahlen musst, hängt vor allem von deinem Gewerbeertrag, dem Freibetrag (falls du ihn bekommst) und dem Hebesatz deiner Gemeinde ab.

Das Wichtigste in Kürze

Das Wichtigste in Kürze

  • Freiberufler zahlen in der Regel keine Gewerbesteuer — entscheidend ist, ob du einen Gewerbebetrieb hast.
  • 24.500 Euro Freibetrag gibt es nur für Einzelunternehmer und Personengesellschaften (z. B. GbR, OHG, KG) — nicht für GmbHs.
  • Die Berechnung läuft in drei Schritten: Gewerbeertrag x Steuermesszahl (3,5 %) = Steuermessbetrag x Hebesatz (variabel) = Gewerbesteuer
  • Der Hebesatz wird von deiner Gemeinde festgelegt und ist je nach Ort sehr unterschiedlich.
  • Als Einzelunternehmer oder Mitunternehmer kannst du die Gewerbesteuer teilweise auf die Einkommensteuer anrechnen.

Was ist die Gewerbesteuer und wer muss sie zahlen?

Die Gewerbesteuer ist eine Steuer, die Gemeinden auf gewerbliche Gewinne erheben. Zahlen musst du sie, wenn du Einkünfte aus Gewerbebetrieb erzielst und dein Betrieb gewerbesteuerpflichtig ist.

Typische Fälle:

  • Einzelunternehmen mit Gewerbebetrieb
  • Personengesellschaften mit Gewerbebetrieb (z. B. GbR, OHG, KG)
  • Kapitalgesellschaften wie die GmbH (hier fällt Gewerbesteuer grundsätzlich an)

Wichtig: Ob du Gewerbesteuer zahlst, hängt nicht nur von „selbstständig“ ab, sondern davon, ob deine Tätigkeit gewerblich oder freiberuflich ist.


Gewerbesteuer in 1 Satz

Gewerbesteuer ist die Gemeindesteuer auf gewerbliche Gewinne — berechnet aus Gewerbeertrag, Steuermesszahl und Hebesatz.

Gewerbesteuer Freibetrag — 24.500 Euro für Einzelunternehmer und Personengesellschaften

Den Freibetrag von 24.500 Euro bekommst du, wenn du als Einzelunternehmer oder über eine Personengesellschaft gewerblich tätig bist. Das bedeutet: Erst der Teil deines Gewerbeertrags, der über 24.500 Euro liegt, kann überhaupt zur Gewerbesteuer führen.

Das gilt besonders häufig:

  • Einzelunternehmen (z. B. Gewerbe „Onlinehandel“, „Handwerk“, „Gastronomie“)
  • Personengesellschaften (z. B. GbR mit Handwerksbetrieb)

Das gilt nicht:

  • GmbH / UG: kein Freibetrag

Freibetrag richtig einordnen

Der Freibetrag ist kein „Steuerabzug von der Rechnung“, sondern reduziert nur die Bemessungsgrundlage. Wenn dein Gewerbeertrag unter 24.500 Euro liegt, fällt meist keine Gewerbesteuer an — eine Erklärungspflicht kann trotzdem bestehen.

Gewerbesteuer berechnen — Schritt für Schritt

Gewerbesteuer berechnest du in der Praxis immer in derselben Logik: erst die Grundlage (Gewerbeertrag), dann der Messbetrag, dann der Hebesatz.

Schritt-für-Schritt-Checkliste

  • Gewinn laut Gewinnermittlung (EÜR oder Bilanz) feststellen.
  • Hinzurechnungen und Kürzungen berücksichtigen (wenn sie bei dir relevant sind).
  • Ergebnis = Gewerbeertrag.
  • (Falls du berechtigt bist) Freibetrag 24.500 Euro abziehen.
  • Auf volle 100 Euro abrunden.
  • Steuermessbetrag: Betrag × 3,5 %.
  • Gewerbesteuer: Steuermessbetrag × Hebesatz deiner Gemeinde.

Begriff

Was bedeutet das?

Wo kommt es in der Rechnung vor?

Gewerbeertrag

Grundlage für die Gewerbesteuer (vereinfacht: Gewinn mit Anpassungen)

Startwert

Freibetrag

24.500 Euro nur für Einzelunternehmer/Personengesellschaften

Abzug vor dem Messbetrag

Steuermesszahl

3,5 %

Multiplikation zur Ermittlung des Messbetrags

Steuermessbetrag

„Zwischenergebnis" für die Gemeinde

Messbetrag × Hebesatz

Hebesatz

Faktor deiner Gemeinde (z. B. 320 %, 450 %)

Letzter Schritt

Gewerbeertrag ermitteln

Der Gewerbeertrag ist vereinfacht gesagt dein Gewinn, der für die Gewerbesteuer angepasst wird. Diese Anpassungen passieren über Hinzurechnungen und Kürzungen.

Für viele kleine Betriebe gilt: Wenn du keine besonderen Finanzierungs- oder Immobilienkonstellationen hast, ist der Gewerbeertrag oft nahe am Gewinn.

Gewerbesteuermessbetrag berechnen — die Steuermesszahl von 3,5 %

Den Gewerbesteuermessbetrag berechnest du, indem du den (gekürzten) Gewerbeertrag mit 3,5 % multiplizierst. Dieser Messbetrag ist die Basis, auf die deine Gemeinde dann den Hebesatz anwendet.

Gewerbesteuer Hebesatz — der Faktor deiner Gemeinde

Der Hebesatz ist ein Prozentsatz, den jede Gemeinde selbst festlegt. Je höher der Hebesatz, desto höher ist deine Gewerbesteuer — auch wenn dein Gewinn gleich bleibt.

Praxis-Tipp: Auf Bescheiden steht der Hebesatz meistens ausdrücklich, und viele Gemeinden veröffentlichen ihn online.


Wie hoch ist die Gewerbesteuer? — Rechenbeispiel

Wie hoch deine Gewerbesteuer ist, hängt vor allem vom Hebesatz ab. Hier ein vereinfachtes Beispiel für ein Einzelunternehmen:

Annahmen

  • Gewerbeertrag: 80.000 Euro
  • Freibetrag: 24.500 Euro
  • Hebesatz: 400 %

Rechnung (vereinfacht)

  • 80.000 − 24.500 = 55.500 Euro
  • Abrunden auf volle 100 Euro: 55.500 Euro
  • Steuermessbetrag: 55.500 × 3,5 % = 1.942,50 Euro
  • Gewerbesteuer: 1.942,50 × 400 % = 7.770 Euro

Warum der Hebesatz so wichtig ist

Bei gleichem Gewinn kann die Gewerbesteuer je nach Standort deutlich variieren — weil der Hebesatz von Gemeinde zu Gemeinde unterschiedlich ist.

Gewerbesteuer auf die Einkommensteuer anrechnen

Wenn du als Einzelunternehmer oder Mitunternehmer (Personengesellschaft) gewerbliche Einkünfte hast, kannst du die Gewerbesteuer teilweise auf deine Einkommensteuer anrechnen. Dadurch soll eine „Doppelbelastung“ aus Einkommensteuer und Gewerbesteuer abgemildert werden.

Wichtig für deine Planung:

  • Die Anrechnung ist gedeckelt.
  • Sie hängt vom Gewerbesteuermessbetrag und deiner persönlichen Einkommensteuer-Situation ab.
  • Bei Kapitalgesellschaften (z. B. GmbH) gibt es diese Anrechnung in der Einkommensteuer so nicht, weil die GmbH selbst körperschaftsteuerpflichtig ist.

Für die Steuererklärung bereitlegen

Halte den Gewerbesteuermessbescheid und den Gewerbesteuerbescheid bereit. Damit kannst du die Anrechnung (falls du berechtigt bist) korrekt in deiner Einkommensteuererklärung berücksichtigen.

FAQ zur Gewerbesteuer Rechnung

In der Regel zahlst du als Freiberufler keine Gewerbesteuer, weil deine Einkünfte normalerweise nicht als Gewerbebetrieb gelten. Wenn deine Tätigkeit aber tatsächlich gewerblich ist oder du einen Gewerbebetrieb „mitziehst“, kann Gewerbesteuer trotzdem relevant werden.

Den Hebesatz findest du meist auf der Website deiner Gemeinde, im Amtsblatt oder über offizielle Übersichten. Spätestens im Gewerbesteuerbescheid ist er klar ausgewiesen.

Ein negativer Gewerbesteuermessbetrag wird in der Praxis nicht als „negativer Steuerbetrag“ ausgezahlt. Wenn dein Gewerbeertrag (nach Anpassungen und ggf. Freibetrag) nicht positiv ist, fällt regelmäßig kein Messbetrag und damit keine Gewerbesteuer an.

Disclaimer

Wir machen keine Steuerberatung. Wir ersetzen keine*n zertifizierte*n Steuerberater*in. Alle Angaben ohne Gewähr. Mehr Infos dazu findest du in unseren Allgemeinen Geschäftsbedingungen.

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