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Wie setze ich Berufskleidung von der Steuer ab?

13. Juni 2018

Für deine Tätigkeit bist du auf Arbeitskleidung angewiesen. Ob Kittel, Uniform oder Schutzkleidung: Die Kosten für den Kauf und die Reinigung deiner Berufskleidung kannst du steuerlich absetzen.

Was zählt als Arbeitskleidung?

Wer sich für den Job ein paar gute Anzüge zugelegt hat, hat leider keine Chance, diese von der Steuer abzusetzen. Das Finanzamt erkennt diese nicht als Arbeitskleidung an, auch wenn du deine Anzüge nicht privat trägst.

Von der Steuer absetzbare Arbeitskleidung ist eindeutig nur beruflich verwendbar und für die Tätigkeit notwendig und typisch, wie z.B. die Kleidung als Schornsteinfeger, Soldat oder Koch. Sobald die Kleidung auch privat getragen werden kann, wird sie steuerlich nicht mehr als Berufskleidung anerkannt. Das gilt z.B. für die Konzertkleidung von Musikern, laut einem BFH-Urteil vom 18.04.1991 (Aktenzeichen IV R 13/90).

Bestimmte berufstypische Kleidung und Gegenstände werden akzeptiert. Dazu gehören:

  • Schutzkleidung, z.B. Helm, Arbeitshandschuhe, Labormantel
  • Uniform
  • Kittel in Heil- und Pflegeberufen
  • Amtskleidung von Geistlichen, Richtern
  • Dienstkleidung mit Dienstabzeichen von z.B. Polizisten
  • Anzug und Kostüm von z.B. Luftverkehrsangestellten
  • Sportkleidung für die dienstliche Teilnahme am Sport, z.B. für Sportlehrer, Polizisten oder bei der Bundeswehr
  • Schwarze Hosen / Röcke für Kellner

Nicht anerkannt werden:

  • Unterwäsche, Strümpfe und Schuhe, die du mit der Arbeitskleidung trägst.
  • Schicke Kleidung von z.B. Bankangestellten, Musikern, Schauspielern.
  • Neutrale Kleidung, wie z.B. weiße T-Shirts für Altenpfleger.
  • Kleidung für Nebentätigkeiten, z.B. Skikleidung eines nebenberuflichen Skilehrers.

Welche Kosten kann ich absetzen?

Neben den Kosten für den Kauf der Kleidung sind Aufwendungen zur Instandhaltung wie Näharbeiten und Reinigung absetzbar. Das Gute: Ist deine private Kleidung im Beruf beschmutzt oder beschädigt worden, sind auch diese Reinigungskosten abzugsfähig.

Nicht nur die Ausgaben für eine professionelle Reinigung werden anerkannt. Auch, wenn du deine Berufskleidung selbst wäschst und bügelst sind die Kosten absetzbar.

Laut dem Bundesfinanzhof (Urteil vom 29. Juni 1993 (Aktenzeichen: VI R 53/92) kannst du die Kosten dafür auf der Kostengrundlage der einzelnen Waschmaschinenläufe schätzen.

Diese Faktoren zählen bei der Berechnung der privaten Reinigungskosten:

  • Gewicht der Wäsche
  • Waschprogramm
  • Nutzung von Trockner
  • Bügeln der Kleidung
  • Anzahl der Personen in deinem Haushalt

Pauschal kannst du pro Jahr 110 Euro für Reinigungskosten deiner Berufsbekleidung angeben. Viele Finanzämter erkennen diesen Betrag ohne Nachweis an.

Ausgaben für das Wäsche waschen absetzen

Wenn du es aber genau wissen willst und deine Ausgaben ausrechnen möchtest, dann erfährst du hier, wie du deine Reinigungskosten berechnen und absetzen kannst.

Bei den Kosten für die Wäsche kannst du hier sehen, dass du z.B. für einen Zwei-Personen-Haushalt Buntwäsche (60 Grad) pro Kilogramm Wäsche 0,48 Euro absetzen kannst. Für Feinwäsche wären das in diesem Fall 0,60 Euro und bei Kochwäsche 0,50 Euro.

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Beispiel für die Berechnung deiner Waschkosten:

Flugbegleiterin Merle lebt zusammen mit ihrem Mann. Jede Woche wäscht sie 4 kg Berufsbekleidung bei 60 Grad und 3 kg als Feinwäsche.

Abzüglich ihres Urlaubs und der Krankheitstage arbeitete sie 47 Wochen im Jahr. So errechnet Merle, wie viel Reinigungskosten sie absetzen kann:

47 Arbeitswochen x 0,48 Euro x 4 kg = 88,32
+ 47 Arbeitswochen x 0,60 Euro x 3 kg = 84,60
= 172,92 Euro

Ausgaben für den Trockner absetzen

Bei den Kosten für den Wäschetrockner musst du vorerst entscheiden, ob du einen Kondensationstrockner oder Ablufttrockner benutzt. Dann kannst du aufgrund der Personenanzahl deines Haushalts berechnen, wie viel Kosten du absetzen kannst.

Bei einem Zwei-Personen-Haushalt mit Kondensationstrockner sind das dementsprechend 0,34 Euro pro Kilogramm Wäsche.

Diese Kosten rechnest du zu den übrigen Waschkosten einfach hinzu.

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Ausgaben für Bügeln absetzen

Die Kosten für das Bügeln der Arbeitskleidung ergeben sich ebenfalls aus der Anzahl der Personen im Haushalt:

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Berufskleidung in der Steuererklärung

Die gesamten Ausgaben für deine Arbeitskleidung fallen unter Werbungskosten. Diese trägst du in der Anlage N in Zeile 46 ein.

bewerbungskosten eintragenbewerbungskosten eintragen

Du kannst nur deine eigenen Ausgaben von der Steuer absetzen. Hat dir dein Arbeitgeber Arbeitskleidung gekauft oder dich für die Anschaffung dieser entschädigt, kannst du die Kosten nicht mehr absetzen. Hat er dir einen Teil erstattet, ziehst du den erstatteten Betrag von deinen Kosten ab und gibst diese in deiner Steuererklärung an.

Deine Ausgaben solltest du außerdem mit Belegen nachweisen können, wenn das Finanzamt dich zur Vorlage dieser auffordert.

Wenn du die Belege nicht gesammelt oder verloren hast, besteht dennoch die Möglichkeit den Pauschalbetrag von 110 Euro abzusetzen. Dabei muss es jedoch glaubhaft sein, dass du die Berufskleidung benötigst. Da diese Nichtbeanstandungsgrenze nicht offiziell ist und kein Rechtsanspruch besteht, kann es allerdings sein, dass das Finanzamt die Pauschale nicht anerkennt. Einen Versuch ist es jedoch in vielen Fällen wert.

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