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Progressionsvorbehalt:
Welche Steuer bei welchem Einkommen?

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7. April 2020

Die Steuerberechnung in Deutschland ist kompliziert und für den Laien, der versucht nachzuvollziehen, warum er genau wie viel Steuern auf seinen Arbeitslohn zahlt, nicht unbedingt die einfachste Übung. Das hängt mit Begriffen wie Steuersatz, Steuerprogression und Progressionsvorbehalt zusammen. Worum geht es dabei?

Steuersatz und Progression

Auf alle deine Einkünfte zahlst du in Deutschland Einkommenssteuer. Bist du als Arbeitnehmer tätig, handelt es sich um die Lohnsteuer, die meist direkt monatlich abgeführt wird. Wie hoch der Betrag ist, richtet sich nach dem Steuersatz, der mit dem Gehalt ansteigt. Wer viel verdient, muss sich auch stärker für das Gemeinwohl einbringen. Die letztendlich zu zahlenden Steuern orientieren sich am Prinzip der leistungsgerechten Besteuerung.

Beispiel 1

Liegt dein zu versteuerndes Einkommen im Jahr 2020 unter 9.400 Euro, werden keine Steuern fällig. Bei diesem Betrag handelt es sich um den Freibetrag, der jedem Steuerpflichtigen, egal, ob Gut- oder Geringverdiener, zusteht. Ab dem ersten Euro, der diesen Freibetrag überschreitet, wird für den darüber liegenden Betrag ein Eingangssteuertarif von 12 % fällig.

Hast du ein Jahreseinkommen von 9.500 Euro im Jahr 2020, sind 9.400 Euro davon steuerfrei, und auf 100 Euro, zahlst du mit einem Steuersatz von 12 % eben 12 Euro Steuern (ohne Kirchensteuer). In diesem Fall ist dein Grenzsteuersatz 12 %, dein Durchschnittssteuersatz aber immer noch 0 %. Steigt dein Einkommen, erhöht sich der Steuersatz. Dabei spricht man von Progression.

Beispiel 2

Ein zweites Beispiel (ohne Kirchensteuer und Soli) verdeutlicht das:
Du verdienst 25.000 Euro im Jahr als Single und ohne Kind. Bis 9.400 Euro berechnet das Finanzamt gar keine Steuern, für die folgenden 100 Euro dann 12 %, für die darauffolgenden 100 Euro dann 15 %, ab dem ersten Euro, der über dem Betrag von 10.300 Euro liegt, dann 16 % und so weiter.
Auf die letzten hundert Euro fällt ein Steuersatz von 28 % an – das ist dein Grenzsteuersatz. Aus all den unterschiedlichen Steuersätzen, die zur Berechnung deiner Besteuerung angewendet wurden, ergibt sich ein Durchschnittssteuersatz von 15 %, dein persönlicher Steuersatz.

In Steuertabellen kannst du die deinen steuerpflichtigen Einkünften entsprechenden Werte nachsehen.

Was bedeutet Progressionsvorbehalt?

Gemäß § 32b des Einkommenssteuergesetzes sind bestimmte Einnahmen nicht steuerpflichtig, unterliegen aber trotzdem dem Progressionsvorbehalt. Das bedeutet, dass sie sich auf die Progression auswirken und deinen Steuersatz erhöhen.

Zu den steuerfreien Einkünften zählen Lohnersatzleistungen, wie

Beispiel 3

Du arbeitest im Jahr 2020 sechs Monate und erhältst insgesamt einen Lohn von 12.000 Euro in diesem Zeitraum. Anschließend bist du arbeitslos und beziehst für die zweite Jahreshälfte 6.000 Euro Arbeitslosengeld I (ALG I) insgesamt. Hättest du gar kein ALG I bezogen, würde dein Durchschnittssteuersatz bei 4 % liegen. Nun werden aber dein steuerpflichtiges und dein steuerfreies Einkommen addiert und belaufen sich in der Summe auf 18.000 Euro. Damit liegt dein Durchschnittssteuersatz nun bei 10 %. Dieser Satz wird auf den steuerpflichtigen Anteil deiner Einnahmen angerechnet.

Ohne ALG I würde deine Steuerlast 428 Euro (ohne Kirchensteuer und Soli) betragen, mit ALG I 1.219 Euro. Müsstest du die kompletten Einkünfte regulär versteuern, wären es 1.829 Euro.

Die steuerfreien Leistungen werden also selbst nicht besteuert, dennoch bringt dein gestiegener Steuersatz eine Erhöhung deiner Steuerlast mit sich. Willst du ausrechnen, wie hoch deine Mehrbelastung sein wird, findest du auf der Webseite des Bayerischen Landesamt für Steuern einen Progressionsvorbehalt-Rechner.

Staatliche Sozialleistungen, die in § 32b nicht aufgeführt sind, unterliegen auch nicht dem Progressionsvorbehalt. Dazu zählt beispielsweise das Arbeitslosengeld II (ALG II) – auch bekannt als die Grundsicherung Hartz IV.

Negativer Progressionsvorbehalt

Einkünfte, die dem Progressionsvorbehalt unterliegen, können auch negativ sein. Das kann beispielsweise der Fall sein, wenn sich ausländische Negativeinkünfte auf das Einkommen oder der Abzug von Werbungskosten und Betriebskosten auswirken. Auch Einkommensersatzleistungen, die bereits eine Progression bedingten und nachträglich zurückgezahlt werden müssen, können als negativer Progressionsvorbehalt gelten.

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