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Steuertipps

Zinsen vom Finanzamt: Kosten & Gewinne durch die Steuererklärung

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zuletzt aktualisiert am 1. September 2021

Mit der Steuererklärung winkt nicht nur eine Steuererstattung. Steuererklärungen, die noch nicht bestandskräftig und in Überprüfung sind, können zu Kosten oder “Gewinnen” durch Zinsen führen. Ein neues Urteil sorgt für eine geänderte Zins-Situation.

Es winken 6 Prozent Zinsen vom Finanzamt

Das Finanzamt zahlt dir zusätzlich zu deiner Steuererstattung einen Bonus in Form von Zinsen – jedoch erst, nachdem ein zinsfreier Zeitraum verstrichen ist. Die Berechnung der Zinsen beginnt 15 Monate nach Ablauf des Kalenderjahres, in dem die Steuer entstanden ist, nach der sogenannten Karenzzeit. So bekommst du bei einer späten Steuererstattung 0,5 Prozent Zinsen pro Monat (siehe: §233a und 238 AO).

Diese 0,5 Prozent sind am aktuellen Finanzmarkt schon eine beachtliche Zahl, über das Jahr gerechnet summieren sich diese 0,5 Prozent allerdings auf 6 Prozent. Das ist im Vergleich zu herkömmlichen Geldanlagen ein aktuell extrem hoher Wert.

Wir zeigen dir, wann Steuerzinsen winken und Nachzahlungen fällig werden können.

Aktuelle Entwicklungen:

  • Mit dem Urteil 1 BvR 2237/14, 1 BvR 2422/17 vom 08. Juli 2021 hat das Bundesverfassungsgericht die Zinssituation bei Steuerrückzahlungen bzw. -nachzahlungen geändert.
    Die bisherigen 6 Prozent Zinsen sind laut Urteil weit von der Realität am Zinsmarkt entfernt und wurden rückwirkend seit 2014 als verfassungswidrig erklärt.
  • Anfassen müssen die Finanzämter jedoch nur die Steuerbescheide ab 2019. Verzinsungszeiträume zwischen 2014 und 2018 sind zwar als „evident realitätsfern“ eingestuft worden, rechtlich aber weiterhin wie die Bescheide vor 2014 zu behandeln.
  • Damit können zusätzlich zu den Jahren vor 2014 auch für die Verzinsungszeiträume von 2014 bis 2018 hohe Zinsen anfallen – als Rückzahlung oder Nachzahlung.
  • Verzinsungszeiträume ab 2019 werden nun erneut betrachtet und überprüft. Bei noch nicht bestandskräftigen Steuerbescheiden kann es vorkommen, dass Nachzahlungszinsen, die für den Zeitraum ab 2019 entrichtet wurden, rückerstattet werden. Alternativ ist es möglich, dass solche, zu viel gezahlte Zinsen, zurückgezahlt werden müssen.
  • Der Gesetzgeber muss nun bis Ende Juli 2022 eine neue Regelung finden und die Zinsen neu festlegen. Wie sich das auf die Steuerrückzahlungen/-nachzahlungen auswirkt, kann man erst dann sagen.
  • Wegen der nicht abschließend geklärten Situation bezüglich der Festsetzung von Zinsen (die hohen Zinsen wurden teilweise bereits früher für verfassungswidrig erklärt), gibt es viele vorläufige Steuerbescheide und damit viele Fälle von möglichen Nachforderungen oder Zahlungen durch das Finanzamt. Wenn das Finanzamt einen Bescheid oder gewisse Bestandteile davon unter einem Vorläufigkeitsvermerk erlässt (wie z.B. in Bezug auf die Höhe der Zinsen), ist der Weg offen, diese Bescheide – nachdem der Gesetzgeber den Sachverhalt geklärt hat – anzupassen. Der Bescheid wird dahingehend nicht bestandskräftig.
  • Du musst deshalb aber nichts unternehmen. Das Finanzamt meldet sich bei dir, wenn du einen offenen Bescheid hast, bei dem nach dem Überschreiten des zinsfreien Zeitraums Zinsen anfallen.

So profitierst du von hohen Zinsen

Wenn du immer pünktlich deine Steuererklärung einreichst, wirst du kaum in den Genuss der Zinszahlung vom Finanzamt kommen. In der Regel hast du deinen Steuerbescheid nach zwei oder drei Monaten vorliegen und, wie oben erwähnt, beginnt die Zinsberechnung erst viel später.

Sehr spät wirksame Steuerbescheide sind jedoch möglich:

  • Du hast beim Finanzamt Einspruch gegen deinen vorläufigen Steuerbescheid eingelegt.
  • Du gehst nach einem erfolglosen Einspruchsverfahren gerichtlich gegen die Entscheidung des Finanzamts vor, dass Posten nicht anerkannt werden, Berechnungen anders ausfallen oder ähnliches.
  • Du gibst deine freiwillige Steuererklärung erst sehr spät ab.

Früher war es möglich, besonders durch die freiwillige Steuererklärung in den Genuss der überhöhten Finanzamt-Zinsen zu kommen. Denn für die Abgabe der freiwilligen Steuererklärung hast du vier Jahre Zeit. Durch die Neuregelung des Bundesverfassungsgericht kannst du das nicht mehr beeinflussen. Steuerzinsen sind weiterhin möglich, die Zinshöhe muss vom Gesetzgeber aber noch festgelegt werden. Besonders hohe Zinsen sind aktuell nur noch möglich, wenn mindestens einer der ersten beiden Fällen zutrifft.

Womit sich heute keine übermäßig hohen Steuergewinne mehr realisieren lassen:

  • Du gibst deine freiwillige Steuererklärung des Jahres 2017 am letztmöglichen Termin, dem 31. Dezember 2021 ab. Der Steuerbescheid dazu geht dir Anfang März 2022 zu und weist eine Steuererstattung von 1.500 Euro aus.
  • Neben dieser Summe steht dir zusätzlich eine Verzinsung zu. Die ersten 15 Monate Karenzzeit sind jedoch zinsfrei. Der Zinslauf/Verzinsungszeitraum beginnt damit erst im April 2019. Da die 6 Prozent Zinsen pro Jahr für Zeiträume ab 2019 nicht mehr gelten, ist durch die aktive späte Abgabe der freiwilligen Steuererklärung kein Zinsertrag wie bisher möglich.

Vor dem Steuer-Zins-Urteil war folgendes möglich:
Nach Ablauf der ersten 15 zinsfreien Monate verbleiben 35 verzinste Monate – von April 2019 bis Februar 2022 –, die sich folgendermaßen auswirken:

Rechnung Zinsen Steuererklärung

Du hättest neben der Erstattung zusätzlich 262,50 Euro Zinsen erhalten, insgesamt also 1.762,50 Euro.

Muss ich die Zinsen beantragen?

Nein, sollten dir Erstattungszinsen zustehen, musst du nicht tätig werden. Das Finanzamt berechnet die Höhe der Zinsen eigenständig und überweist sie gemeinsam mit der Steuererstattung auf dein Konto.

Müssen die Zinseinnahmen versteuert werden?

Die Zinserträge, die dir das Finanzamt zahlt, musst du als Einkunft aus Kapitalvermögen versteuern (§20 EStG). Denn auf diese Zinsen hast du noch keine Kapitalertragssteuer (auch Abgeltungssteuer genannt) abgeführt.

Dafür musst du den Zinsertrag in die Anlage KAP eintragen. Maßgeblich ist das Jahr der Auszahlung durch das Finanzamt.

kap_zinsen_finanzamt

Gibt es auch Nachteile der Steuererklärung-Zinsen?

Je länger ein Einspruch oder ein gerichtliches Verfahren dauert, desto höher fällt der Zinsbonus aus. Das sollte allerdings nur in deinem Sinn sein, wenn es zu einer Steuererstattung kommt. Denn Zinsen werden auch für den gegenteiligen Fall berechnet, wenn du eine Steuernachzahlung zu leisten hast. Auch hier beträgt die Zinshöhe für Verzinsungszeiträume bis Ende 2018 0,5 Prozent pro Monat. Für die nachfolgenden Zeiträume sind die Zinsen noch nicht final festgelegt.

Anders als die Erstattungszinsen haben die Verzugszinsen übrigens keine steuerliche Bedeutung. Du kannst sie also nicht in deiner Steuererklärung absetzen.

Disclaimer

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