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Azubis: Kann ich meine Ausbildung von der Steuer absetzen?

3. Juni 2019

Als Azubi kannst du deine Ausbildung von der Steuer absetzen. Wir sagen dir, welche Ausgaben du absetzen kannst und wie du dabei vorgehst.

Bist du in der Erst- oder Zweitausbildung?

Das Finanzamt macht es kompliziert, denn Erst- und Zweitausbildung werden steuerlich unterschiedlich behandelt. Befindest du dich in der Erstausbildung, darfst du maximal 6.000 Euro deiner Ausbildungsausgaben als Sonderausgaben absetzen. Bei einer Zweitausbildung darfst du hingegen deine Ausbildungskosten in voller Höhe als Werbungskosten absetzen, denn dann gelten sie als Fortbildungskosten. Das ist ein großer Unterschied.

Doch eine Ausnahme gibt es: Bist du in einer Erstausbildung, in der du Geld verdienst, darfst du all deine Ausbildungskosten als Werbungskosten von der Steuer absetzen. Du befindest dich dann in einer sogenannten Erstausbildung im Dienstverhältnis. Dies ist für eine Lehre in Deutschland die Regel.

Was kann ich bei meiner Ausbildung von der Steuer absetzen?

Während deiner Ausbildung kommen viele Kosten auf dich zu. Dies sind die häufigsten Ausgaben, die du von der Steuer absetzen kannst:

  • Gebühren für Zulassung, Lehrgänge und Prüfungen
  • Fahrtkosten zur Ausbildungsstätte und Berufsschule
  • Kosten für eine Zweitwohnung am Ausbildungsort
  • Umzugskosten
  • Kosten für Arbeitsmittel und Lernmaterialien

Fahrtkosten in der Ausbildung von der Steuer richtig absetzen

Deine Ausbildung findet in den meisten Fällen an zwei unterschiedlichen Orten statt: dem Ausbildungsbetrieb und der Berufsschule. Fahrtkosten zwischen deiner Wohnung und diesen beiden Orten werden unterschiedlich berechnet.

Du kannst nur einen Ort in der Steuererklärung als erste Tätigkeitsstätte angeben. Das ist in der Regel dein Ausbildungsbetrieb. Hast du nur eine schulische Ausbildung, ist die Berufsschule deine erste Tätigkeitsstätte.

Deine Fahrtkosten kannst du am einfachsten mit der Fahrtkostenpauschale, auch Pendlerpauschale genannt, absetzen. Das sind derzeit 30 Cent pro Kilometer für die einfache Distanz zwischen deiner Wohnung und deiner ersten Tätigkeitsstätte.

Fahrten zur Berufsschule setzt du als Dienstreise ab. Das kannst du mit der Dienstreisepauschale machen. Wenn du mit dem eigenen Auto fährst, sind das wieder 30 Cent pro Kilometer für den Hin- und Rückweg. Bist du mit deinem Moped oder Motorrad unterwegs? Dann sind es 20 Cent pro Kilometer. Bist du mit dem Fahrrad unterwegs, kannst du leider nichts absetzen.

Verlustvortrag: Mit der Ausbildung zukünftige Steuern sparen

Verdienst du mit deiner Lehre Geld oder befindest du dich in deiner zweiten Ausbildung, kannst du die Ausbildungskosten als Werbungskosten absetzen. Sind deine Ausbildungskosten höher als deine Einnahmen, kannst du einen Verlustvortrag geltend machen und das rückwirkend bis zu sieben Jahre.

Das geschieht so: Wenn du deine Steuererklärung beim Finanzamt abgibst, verrechnen die Beamten deine Einkünfte und Ausgaben. Hast du wegen zu hoher Kosten einen Verlust, kannst du diesen in das nächste Steuerjahr mitnehmen, wo er mit den dortigen Einkünften verrechnet wird.

Dabei kannst du viel Steuern sparen. Solange du während deiner Ausbildung Verluste hast, kannst du sie über den Verlustvortrag in die Zeit nach der Ausbildung mitnehmen. Wenn du dann dein erstes Geld verdienst, sparst du im ersten Arbeitsjahr mit deiner Ausbildung Steuern.

Achtung:
Verluste aus Sonderausgaben lassen sich nicht mit Gewinnen in anderen Jahren verrechnen.

Verlustvortrag in der Erstausbildung

Das Bundesverfassungsgericht beschäftigt sich aktuell mit der Frage, ob die Kosten einer Erstausbildung als Werbungskosten vollständig absetzbar sind. Eine Entscheidung steht noch aus und wird nicht vor 2017 erwartet.

Du solltest aber schon jetzt reagieren, um von einer positiven Entscheidung für Studenten und Azubis profitieren zu können. Mache für die Zeit deiner Ausbildung einen Verlustvortrag. Dies kannst du, wie oben geschrieben tun, sogar für 7 Jahre rückwirkend.

Das Finanzamt wird deine Verluste wahrscheinlich nicht anerkennen, da du derzeit Ausbildungskosten nur als Sonderausgaben absetzen darfst. Gegen diesen Steuerbescheid legst du Einspruch ein und verweist dabei auf die beim Bundesverfassungsgericht anhängigen Verfahren. Dein Steuerfall wird eingefroren und erst bei einer Entscheidung des Gerichtes wieder aktiviert.

Kommt das Gericht zu dem Urteil, dass Studenten und Azubis ihre Erstausbildung in Zukunft als Werbungskosten absetzen können, profitierst du auch davon. Die nicht anerkannten Verlustvorträge gegen die du Einspruch eingelegt hast, sind nun gültig.

Sollte das Bundesverfassungsgericht zu einem anderen Urteil kommen, entstehen dir durch deinen Einspruch keinerlei Nachteile.

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