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Kann ich mein Erststudium von der Steuer absetzen?

20. März 2018

Viele Studenten müssen arbeiten gehen, um ihr Studium finanzieren zu können. Doch wie sieht ein Studium steuerlich aus?

Eines ist klar: du kannst dein Studium von der Steuer absetzen! Wie das in Steuerdingen aber immer so ist, gibt es auch für Studenten im Erststudium (z.Bsp. Bachelor-Studium) viele Einzelheiten, die man bedenken muss. Wie und wie viel du von deinem Studium absetzen kannst, stellen wir dir in vier Varianten dar.

Variante 1: Ausbildung vor dem Studium

Hast du vor deinem Studium eine Ausbildung abgeschlossen, kannst du dein Studium als Werbungskosten in voller Höhe ansetzen. Werbungskosten wären beispielsweise Semesterbeiträge, Fahrtkosten für die Wege zur Uni, Bibliothek und Lerngemeinschaften oder Kosten für dein Notebook. Dazu muss dein Studium als Weiterbildung anerkannt werden. Dafür gelten diese Voraussetzungen:

  • Deine Ausbildung hat mindestens 12 Monate gedauert
  • Sie wurde mit einer Prüfung abgeschlossen
  • Dein Studium baut auf deiner Ausbildung auf

Ich habe einen (steuerpflichtigen) Nebenjob
Verdienst du neben deinem Studium Geld und zahlst Lohnsteuer, kannst du dir zu viel gezahlte Steuern durch eine Steuererklärung zurückholen, wenn du deine Studienkosten als Werbungskosten geltend machst.

Meine Ausgaben übersteigen meine Einnahmen: Verlustvortrag
Übersteigen deine Ausgaben für Studium, Lebenshaltung und Wohnung die Einnahmen durch deinen Nebenjob, gibt es noch eine weitere Variante, dein Studium auf lange Sicht steuerlich günstig abzusetzen: den Verlustvortrag.

Das gleiche gilt, wenn du neben dem Studium kein Geld verdienst, also kein steuerpflichtiges Einkommen hast. BAföG, Studienkredit oder Unterstützung durch deine Eltern zählen steuerlich nicht zu den relevanten Einnahmen. Auch in diesem Fall kannst du deine entstandenen Werbungskosten über einen Verlustvortrag geltend machen.

In deiner Steuererklärung gibst du deine Einnahmen und Ausgaben an. Übersteigen deine Ausgaben die Einnahmen, vermerkt das Finanzamt diese negative Bilanz und sendet dir darüber einen Bescheid zu. Du kannst somit deine negativen Einkünfte für jedes Jahr sammeln. Das sind deine Verluste. Diese werden nach dem Studium mit den dann anfallenden steuerpflichtigen Einnahmen aus deinem Beruf verrechnet. Dadurch sparst du auf einmal sehr viel Steuern.

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Variante 2: Studium im Dienstverhältnis

Anders sieht es bei Studenten eines dualen Studiums aus. Diese stehen in einem Dienstverhältnis, da sie bei einem Arbeitgeber den praktischen Teil ihrer Erstausbildung durchlaufen.

Absolvierst du ein duales Studium, kannst du deine Studienkosten als Werbungskosten in unbegrenzter Höhe absetzen. Ein Verlustvortrag wäre auch denkbar. Da du aber regelmäßige Einnahmen hast, werden diese vermutlich deine Ausgaben übersteigen. Dadurch ist ein Verlustvortrag nicht möglich.

Variante 3: Studium ist Erstausbildung

Beginnst du direkt nach deinem Abitur ein Studium, befindest du dich in einer Erstausbildung. Die dabei anfallenden Ausgaben kannst du nicht als Werbungskosten geltend machen, da du keine Weiterbildung machst.

Dennoch darfst du deine Studienkosten in der Steuererklärung angeben. Als Sonderausgaben sind maximal 6.000 Euro Ausbildungskosten pro Jahr absetzbar. Diese mindern den Gesamtbetrag deiner Einkünfte und somit auch deine Steuerlast. Um davon zu profitieren, musst du einer steuerpflichtigen Beschäftigung nachgehen.

Bist du nicht steuerpflichtig, bringt dir die Absetzbarkeit deiner Studienkosten als Sonderausgaben nichts. Diese kannst du nur im Jahr ihrer Entstehung ansetzen und auch nicht als Verlustvortrag in spätere Steuerjahre übernehmen.

Variante 4: Verlustvortrag bei Erststudium

Der Bundesfinanzhof (BFH) und der Gesetzgeber streiten sich seit einiger Zeit über die steuerliche Behandlung von Studenten. Möchte unsere Legislative gern den gesetzlichen Rahmen für die Absetzbarkeit eines Studiums eng halten, sehen es die Richter des BFH anders. Sie halten die momentane Lage gar für verfassungswidrig.

Mit dem Aktenzeichen 2 BvL 22-27/14 sind dem Bundesverfassungsgericht sechs Verfahren anhängig, die alle vom BFH kassiert wurden. Mit einer Entscheidung dazu ist nicht vor 2017 zu rechnen. Sollten die Verfassungsrichter jedoch der Meinung des BFH folgen, sind die Kosten deines Erststudiums in vollem Umfang als Werbungskosten absetzbar.

Hauptsache: Einspruch einlegen
Dementsprechend kannst du schon jetzt dein Studium als Werbungskosten in deiner Steuererklärung angeben. Jedoch wird das Finanzamt die Ausgaben für dein Studium nicht als Werbungskosten anerkennen. Was jetzt zählt, ist ein Einspruch gegen den Steuerbescheid.

Mit Hinweis auf die dem Bundesverfassungsgericht anhängigen Verfahren in deinem Einspruch, friert das Finanzamt deinen Fall bis zum endgültigen Urteil der Verfassungsrichter ein.

Entscheiden die Richter zu deinen Gunsten, wird das Finanzamt deine Ausgaben als Werbungskosten anerkennen. Entscheiden sie sich für die Sicht des Gesetzgebers, bleibt dir noch die Möglichkeit, mit deinem Einspruch die Kosten als Sonderausgaben für die jeweiligen Steuerjahre geltend zu machen.

Verlustvortrag rückwirkend bis zu 7 Jahre
Du kannst einen Verlustvortrag 7 Jahre rückwirkend machen. Denn ein BFH-Urteil vom 13. Januar 2015, mit dem Aktenzeichen IX R 22/14, macht genau das möglich.

Wenn dein Studium als Weiterbildung gilt und du bisher noch keine Steuererklärung abgegeben bzw. noch keinen Steuerbescheid erhalten hast, solltest du diese Möglichkeit nutzen. Auch wenn du noch in deiner Erstausbildung steckst (Erststudium nach Abitur) oder nach abgeschlossenem Bachelor arbeiten gehst, solltest du diese Chance in Betracht ziehen. Die sieben Jahre könnten bald wieder auf vier Jahre reduziert werden.

Bonus: Ausbildungsfreibetrag für Eltern

Wenn dich deine Eltern während deines Studiums finanziell unterstützen, können sie diese Ausgaben in ihrer Steuererklärung angeben. Sie bekommen dann einen Steuerfreibetrag, der momentan 924 Euro umfasst. Die Voraussetzungen dafür:

  • Du musst 18 Jahre alt sein
  • Du befindest dich in einer Ausbildung (Studium)
  • Du darfst nicht im elterlichen Haushalt leben
  • Deine Eltern haben für dich Anspruch auf Kindergeld

Es gibt viele Möglichkeiten, mit deinem Erststudium Steuern zu sparen. Prüfe genau, welche Variante auf dich zutrifft.

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