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Was ist ein Verlustvortrag?

23. April 2018

Mit einem Verlustvortrag kannst du Verluste, die du in einem Steuerjahr gemacht hast, in die nächsten Jahre übertragen und steuerlich geltend machen. Was es dabei zu beachten gibt, erklären wir.

Verlustvortrag: Ausgaben höher als Einnahmen

Sind deine Ausgaben höher als deine Einkünfte, hast du einen Verlust. In der Steuererklärung werden alle Einnahmen und Ausgaben aufgenommen und miteinander verrechnet.

Stellt das Finanzamt dabei auf Antrag fest, dass du einen Verlust hast, stellt es dir einen Bescheid darüber aus. Das ist der „Bescheid über die gesonderte Feststellung des verbleibenden Verlustvortrags“. Damit kannst du die Verluste in deiner nächsten Steuererklärung geltend machen.

Warum macht der Verlustvortrag Sinn?

Wenn du in einem Jahr Verluste hattest, kannst du diese gewinnbringend in einem späteren Jahr nutzen, wenn du wieder Geld verdienst und Steuern zahlst. Der Verlustvortrag mindert dann deine Steuerlast beträchtlich.

Außerdem kannst du bis zu sieben Jahre rückwirkend einen Verlustvortrag machen. Im Vergleich dazu darfst du eine Steuererklärung nur vier Jahre rückwirkend abgeben.

Alle Fristen hier auf einem Blick:

Steuererklärung für das Jahr
Verjährungsfrist für die Steuererklärung (4 Jahre)
Verjährungsfrist für den Verlustvortrag (7 Jahre)
2009
abgelaufen
abgelaufen
2010
abgelaufen
abgelaufen
2011
abgelaufen
31.12.2018
2012
abgelaufen
31.12.2019
2013
abgelaufen
31.12.2020
2014
31.12.2018
31.12.2021
2015
31.12.2019
31.12.2022
2016
31.12.2020
31.12.2023
2017
31.12.2021
31.12.2024
2018
31.12.2022
31.12.2025

Dennoch ist es für den normalen Steuerpflichtigen schwierig, überhaupt wirkliche Verluste zu machen, die einen Verlustvortrag ermöglichen. Denn auch Lohnersatzleistungen, wie Arbeitslosengeld I, Hartz IV oder Elterngeld zählen steuerrechtlich zu den Einnahmen.

Vor allem für Studenten ist ein Verlustvortrag eine attraktive Möglichkeit, beim Berufseinstieg zumindest in dem ersten Jahr ordentlich Steuern zu sparen.

Verlustvortrag für Studenten

Bei Studenten macht ein Verlustvortrag Sinn, da sie naturgemäß mehr Ausgaben für das Studium als Einnahmen haben. Sie müssen neben ihrem Semesterbeitrag und ggf. Studiengebühren oft für eine Zweitwohnung am Studienort, Fahrtkosten und hohe Ausgaben für Fachliteratur, Schreibmaterial, Computer und andere Arbeitsmittel aufkommen.

Dagegen fallen die Einnahmen von Studenten oft geringer aus. Wenn sie BAföG beziehen, wird dieses steuerrechtlich auch nicht als Einkommen gewertet, da es sich um einen steuerfreien Bezug handelt. Außerdem muss die Hälfte der BAföG-Beiträge wieder zurückgezahlt werden.

Problem für Bachelorstudenten: Kein Verlustvortrag

Problematisch sieht es für Studenten im Erststudium aus, die ihren ersten berufsqualifizierenden Abschluss machen. Das sind all jene Bachelorstudenten, die nach dem Schulabschluss ein Studium anfangen. Sie dürfen Studienkosten laut aktuellem Steuerrecht nur als Ausbildungskosten unter den Sonderausgaben absetzen. Diese sind bis 6.000 Euro begrenzt. Außerdem kann mit Sonderausgaben kein Verlustvortrag gemacht werden.

Allerdings ist beim Bundesverfassungsgericht ein Verfahren anhängig, über das noch entschieden werden muss. Darin geht es um die Frage, ob Studienkosten eines Erststudiums in Zukunft auch als Werbungskosten absetzbar sind oder weiterhin nur als Sonderausgaben gelten. Wann eine Entscheidung fällt, ist noch nicht absehbar.

Masterstudenten können Verlustvortrag machen

Für Studenten, die sich in einem fortführenden Studiengang befinden, gilt die Sonderausgabenregelung allerdings nicht. Ihre Studienausgaben gelten als Fortbildungskosten und sind damit als Werbungskosten in unbegrenzter Höhe absetzbar. Masterstudenten können ein Verlustvortrag machen.

Daneben fallen ebenfalls Studenten, die vor dem Studium bereits eine Ausbildung gemacht haben, unter diese Regelung. Auch sie können die vollen Kosten absetzen und ihre Verluste vortragen.

Wie mache ich einen Verlustvortrag?

Für den Antrag auf Verlustfeststellung musst du in der Kopfzeile des Mantelbogens ein Häkchen bei „Erklärung zur Feststellung des verbleibenden Verlustvortrags“ machen. Zusätzlich füllst du die Anlage N aus.

Bist du Student, rechnest du einfach all deine Ausgaben für das Studium zusammen und trägst sie in Anlage N unter den Fortbildungskosten auf Seite 2 ein. Unter Umständen fordert das Finanzamt noch Nachweise. Deshalb bewahre alle Rechnungen und Belege sorgfältig auf!

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Verlustvortrag trotz Erststudium

Kleiner Wermutstropfen für Bachelorstudenten: Trotz aktuellem Vorgehen der Finanzämter, Studienkosten eines Erststudium nur als Sonderausgaben zuzulassen, kannst du deine Ausgaben dennoch als Werbungskosten angeben. Zwar werden die Finanzbeamten diese Kosten in deinem Steuerbescheid nicht anerkennen. Du kannst allerdings unter Einhaltung der Frist und mit Hinweis auf das beim Bundesverfassungsgericht anhängige Verfahren samt Aktenzeichen (Az. BVerfG 2 BvL 22-27/14) Einspruch einlegen.

Aufgrund deines Einspruchs wird dein Steuerfall pausiert und nach einer Entscheidung wieder aufgenommen. So hast du für den Fall, dass das oberste Gericht für Studenten positiv entscheidet, noch eine Chance, deine Verluste geltend zu machen.

Wenn du nicht erst auf den negativen Steuerbescheid vom Finanzamt warten willst, kannst du auch schon mit der Abgabe deiner Steuererklärung ein Schreiben mitschicken. In diesem beantragst du das Absetzen deines Erststudiums als Werbungskosten und verweist auf das Verfahren beim BGH. Dafür haben wir für dich schon einmal etwas vorbereitet:

Download: Schreiben bzgl. der Absetzbarkeit von Erstausbildungskosten als Werbungskosten

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