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Was ist meine zumutbare Eigenbelastung?

20. September 2017

Die zumutbare Eigenbelastung ist steuerlich eine große Hürde. Erst nach deren Überschreiten kannst du bestimmte Ausgaben absetzen. Wir verraten dir, welche das sind und wie du das beeinflussen kannst.

Zumutbare Belastungen und außergewöhnliche Belastungen

Mit außergewöhnlichen Belastungen kannst du bei deiner Steuererklärung Steuern sparen. Wenn nur die so genannte zumutbare Belastung nicht wäre. Denn erst ab Überschreiten dieser individuellen Grenze werden alle weiteren Kosten vom Gesamtbetrag deiner Einkünfte abgezogen. Dadurch zahlst du weniger Steuern und deine Steuerrückzahlung fällt höher aus.

So wird die zumutbare Eigenbelastung berechnet

Der Betrag, ab dem du außergewöhnliche Belastungen absetzen kannst, ist nicht für jeden Steuerzahler gleich. Er unterscheidet sich nach der familiären Situation und dem Einkommen:

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Beispiel:
Du bist verheiratet, ihr habt 2 Kinder und ein Gesamteinkommen von 56.000 Euro. Dann liegt deine zumutbare Belastung bei 1.575,30 Euro.

Wichtig: Das Finanzamt errechnet stufenweise deine zumutbare Belastungsgrenze. Für unser Beispiel geht die Rechnung folgendermaßen:
1. Wie in der Tabelle zu sehen, gilt für Ehepaare mit 2 Kindern und Einkünften bis 15.340 Euro 2 Prozent. Dafür werden nun 2 Prozent von 15.340 Euro errechnet.

2 Prozent von 15.340 Euro sind 306,80 Euro.

2. Bei Einkünften bis 51.130 Euro werden 3 Prozent bei einem Ehepaar mit 2 Kindern fällig. Nun müssen von den 51.130 die 15.340 aus Schritt 1 abgezogen werden, weil davon schon die 2 Prozent berechnet wurden. Dabei bleiben 35.790 Euro, von denen 3 Prozent berechnet werden.

3 Prozent von 35.790 Euro sind 1.073,70 Euro.

3. Da das Ehepaar insgesamt mehr als 51.130 Euro verdient, nämlich 56.000 Euro folgt Schritt 3. Von den gesamten Einkünften 56.000 Euro werden die 51.130 Euro abgezogen und vom Restbetrag 4 Prozent errechnet.
56.000 Euro minus 51.130 Euro sind 4.870 Euro von denen 4 Prozent errechnet werden.

4 Prozent von 4.870 Euro sind 194,80 Euro.

4. Zum Schluss werden die Zwischenergebnisse addiert und das daraus folgende Ergebnis ist deine zumutbare Belastung. In unserem Beispielfall ist das: 1.575,30 Euro.

Das heißt, dass jeder Cent, der über die 1.575,30 Euro hinausgeht, kann von der Steuer abgesetzt werden.

Bei diesen Ausgaben gilt die zumutbare Belastung

Welche Kosten du konkret als außergewöhnliche Belastung absetzen kannst, ist im Einkommensteuergesetz nicht geregelt. Eine Liste oder Übersicht gibt es nicht. Das Gesetz spricht recht abstrakt von zwangsläufigen Aufwendungen, denen man sich aus rechtlichen, tatsächlichen oder sittlichen Gründen nicht entziehen kann. Ferner sind diese den Umständen nach notwendig und übersteigen einen angemessenen Betrag nicht (§33 EStG).

Gängige Beispiele sind:

  • Krankheitskosten, die die Krankenkasse oder Versicherung nicht trägt
  • Kuraufenthalte
  • Zuzahlungen für Medikamente
  • Zahlungen für medizinische Hilfsmittel (Brille, Rollstuhl)
  • Beerdigungskosten
  • Unterhaltskosten
  • Kosten für die Unterbringung der Eltern in einem Pflegeheim, die die Pflegeversicherung nicht zahlt

Ausgaben gezielt planen

Die Grenze der Eigenbelastung zu überschreiten, ist nicht einfach. Aus diesem Grund ist es umso wichtiger, alle Belege zu sammeln und vor Jahresende genau zu rechnen. Hast du beispielsweise bereits viele Arztrechnungen beglichen, zahlt sich jeder weitere Euro direkt aus. Kaufe in diesem Fall deine neue Brille noch im gleichen Jahr.

Andernfalls ist es steuerlich vielleicht günstiger, bestimmte Ausgaben ins nächste Jahr zu verschieben. Besonders wenn du weißt, dass während dieser Zeit noch weitere Kosten auf dich zukommen werden, die als außergewöhnliche Belastungen gelten.

In unserem Steuertipp findest du eine Übersicht, welche Ausgaben das sein können.

Profitiere von Verfassungsbeschwerde

Der Bundesfinanzhof hat zwar klargestellt, dass sich an der Praxis der zumutbaren Belastung nichts ändern wird. Trotzdem ist das letzte Wort hierbei noch nicht gesprochen. Denn vor dem Bundesverfassungsgericht (Az: 2 BvR 180/16) könnte diese Regelung noch gekippt werden.

Beachte deshalb folgende Hinweise:

  • Achte bei deinen bisherigen Steuerbescheiden auf den Vorläufigkeitsvermerk des Finanzamts. Fehlt dieser, lege Einspruch gegen den Beschied ein und verweise dabei auf das oben genannte Verfahren (oben genanntes Aktenzeichen angeben). Gleichzeitig beantragst du das Ruhen des Verfahrens.
  • Trage bis zur endgültigen Entscheidung weiterhin deine Aufwendungen für Krankheit und Pflege als außergewöhnliche Belastung in deine Steuererklärung ein und bewahre die Belege auf.

Kommt das Gericht zu einem für Steuerzahler positiven Urteil, profitierst du auch und deine Ausgaben werden unabhängig von der zumutbaren Belastungsgrenze anerkannt.

Zumutbare Belastung in die Steuererklärung eintragen

Das Finanzamt errechnet die Höhe deiner zumutbaren Belastungsgrenze automatisch. Du musst dies nicht tun und auch keine konkrete Summe eintragen.

Im Mantelbogen auf der Seite 3 hast du die Möglichkeit, deine außergewöhnlichen Belastungen einzutragen. Übersteigen diese deine Belastungsgrenze, wirken sie sich steuermindernd aus.

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