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Arbeitslosigkeit – Muss ich eine Steuererklärung abgeben?

12. August 2019

Obwohl Arbeitslosengeld steuerfrei ist, musst du es in deine Steuererklärung eintragen. Hier erfährst du, warum und welche Kosten du in dieser Zeit absetzen kannst.

Wann muss eine Steuererklärung abgeben werden?

Vom Arbeitslosengeld (ALG) 1 selbst wird keine Steuer abgezogen. Trotzdem musst du es in der Regel in deine Steuererklärung eintragen und selbst dann eine Steuererklärung abgeben, wenn du das ganze Jahr ausschließlich Arbeitslosengeld bezogen hast.

Sind deine jährlichen Einnahmen aus Lohnersatzleistungen größer als 410 Euro (§ 46 EstG), ist eine Steuererklärung Pflicht.

Lohnersatzleistungen sind beispielsweise:

  • Arbeitslosengeld 1
  • Elterngeld
  • Krankengeld
  • Insolvenzgeld
  • Kurzarbeitergeld

Arbeitslosengeld in die Steuererklärung eintragen

Dein erhaltenes Arbeitslosengeld trägst du in der Steuererklärung in zwei Stellen ein:

1. In die Anlage N, Zeile 28 kommt der Zeitraum deiner Nichtbeschäftigung, zum Beispiel 1. April 2016 bis 15. Juni 2016. Als Nachweis eignet sich die Bescheinigung der Agentur für Arbeit.

Mit Zeiten einer Nichtbeschäftigung sind nicht Krankheitstage gemeint, du die während eines Arbeitsverhältnisses hattest.

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2. In den Hauptvordruck, Zeile 96 kommt die erhaltene Summe. Hier trägst du auch deine Einnahmen aus den weiteren Lohnersatzleistungen ein. Hast du mehrere Leistungen bezogen, notiere hier die Summe aller Beträge.

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Hinweis: ALG II (Hartz IV) unterliegt nicht dem Progressionsvorbehalt. Diese Leistung musst du nicht in deine Steuererklärung eintragen.

Hier findet man die Angaben

Die erhaltenen Beträge für die Lohnersatzleistungen findest du auf dem Leistungsnachweis, den du vom jeweiligen Sozialleistungsträger erhältst. Beim Arbeitslosengeld also auf der Bescheinigung der Agentur für Arbeit.

Warum muss man das eintragen?

Das steuerfreie Arbeitslosengeld 1 unterliegt dem Progressionsvorbehalt (§ 32b EStG). Dadurch erhöht sich der Steuersatz für dein zu versteuerndes Einkommen. Anders ausgedrückt: Der Fiskus betrachtet Lohnersatzleistungen als Steigerung deiner finanziellen Kraft und setzt für dein restliches zu versteuerndes Einkommen einen höheren Steuersatz an.

Beispiel:
Du bist in der Steuerklasse 1 und hast im Jahr 2016 15.000 Euro eingenommen, die du versteuern musst. Zusätzlich hast du 9.000 Euro Arbeitslosengeld bezogen. Das Arbeitslosengeld selbst wird nicht versteuert, aber für den Progressionsteuersatz mitberechnet.

Dadurch erhöht sich dein Steuersatz von 8,5 Prozent auf 15,29 Prozent. Mit diesem Wert werden deine 15.000 Euro versteuert. Dadurch steigt die Einkommmenssteuer von 1.275 Euro (ohne Progression durch ALG 1) auf 2.293 Euro (mit Progression durch ALG 1).

Du kannst den Progressionsvorbehalt auf der Seite des Bayerischen Landesamt für Steuern berechnen.

Steuersatz bei Ehegattensplitting

Bei gemeinsamer Veranlagung mit deinem Ehepartner wird der Bezug deiner steuerfreien Leistung seinem Einkommen zugerechnet. Das kann aufgrund des Progressionsvorbehalts zu einem höheren Steuersatz und eventuellen Steuernachforderungen führen. Da die gemeinsame Veranlagung insgesamt Vorteile hat, ist die Entscheidung für das Splitting in manchen Fällen dennoch günstig.

Abzüge bei Hartz 4 durch Steuererstattungen

Erhältst du ALG 2 (Hartz IV) und bekommst eine Steuererstattung vom Finanzamt, wird dir diese angerechnet auf die Bezüge. Laut § 11 SGB II zählt alles, was du zusätzlich zu den Lohnersatzleistungen beziehst, als Einkommen. So auch eine Steuererstattung. Mit dem Urteil vom 16.12.2008 (Az.: B 4 AS 48/07 R) vom Bundessozialgericht gilt die Anrechnung der Steuererstattung auf die Bezüge als zulässig.

Steuern sparen durch Werbungskosten

Während der Arbeitslosigkeit entstehen dir Kosten für Bewerbungen und eventuell Weiterbildungen. Diese kannst du in die Steuererklärung eintragen und absetzen.

Du kannst Ausgaben für z. B.

  • Bewerbungsfotos
  • Porto
  • Fahrten zum Arbeitsamt
  • Zeugnis-Beglaubigungen

als Werbungskosten steuerlich geltend machen.

Wenn du erst im Folgejahr wieder eine Stelle findest, kannst du die Werbungskosten mit dem Verlustvortrag im nächsten Jahr absetzen.
Übersteigen deine Kosten deine Einkünfte, kannst du auf diese Weise dein Minus mit dem Gewinn des Folgejahres gegenrechnen.

Solltest du auch da noch kein Einkommen haben, verschieben sich deine Verluste ins übernächste Jahr. Für den Verlustvortrag kreuzt du auf dem Mantelbogen der Steuererklärung oben „Erklärung zur Feststellung des verbleibenden Verlustvortrags“ an. Bei der elektronischen Steuererklärung mit Elster wird das Häkchen automatisch gesetzt, wenn du deine Einträge gemacht hast und das Minus ersichtlich ist.

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