Fast jede zweite Person unter 40 denkt über Selbstständigkeit nach
Fragebogen zur steuerlichen Erfassung. Umsatzsteuervoranmeldung. Kleinunternehmerregelung. Zwischen der guten Idee und dem eigenen Unternehmen liegt in Deutschland vor allem Papier. 44 Prozent der 18- bis 39-Jährigen haben im vergangenen Jahr über eine Gründung nachgedacht. Tatsächlich gegründet hat ein Bruchteil. Am häufigsten stehen komplexe Steuern, Buchhaltung und Bürokratie im Weg. Die Angst vor dem Scheitern liegt weit dahinter.
Für Jüngere ist Selbstständigkeit eine echte Alternative
Für unsere repräsentative Umfrage hat das Meinungsforschungsinstitut Civey 5.000 Menschen in Deutschland befragt, welches Berufsmodell langfristig die größte finanzielle Sicherheit bietet. 56 % nennen das Beamtentum, 23 % die Festanstellung. Auf die berufliche Selbstständigkeit entfallen 7 %.
Bei den Jüngeren fällt die Einschätzung anders aus. Fast jede fünfte Person im Alter von 18 bis 29 hält die Selbstständigkeit für das sicherste Modell, unter Studierenden sind es 24 %. Das sind fast fünfmal so viele wie bei den über 40-Jährigen (jeweils 4%).
Selbst unter den Selbstständigen gilt das Beamtentum als sicherer (54 %), nur 23 % nennen die Selbstständigkeit. Beamt*innen bestätigen ihr eigenes Modell: 73 % von ihnen nennen das Beamtentum.

Gedacht, geplant, gegründet?
Zwischen Nachdenken und Gründen liegt eine große Lücke. Wie groß, hängt stark von der Lebenssituation ab.
- Nachgedacht ja, gegründet selten: 4 % aller Befragten planen eine Gründung konkret, 3 % haben sie im vergangenen Jahr umgesetzt, 12 % haben den Gedanken nicht weiterverfolgt.
- Je jünger, desto gründungsfreudiger: Bei den 18- bis 29-Jährigen liegt die Gründungsquote bei 8 %, bei den 30- bis 39-Jährigen bei 5 %.
- Nach Geschlecht: Frauen denken häufiger ans Gründen als Männer, 21 gegenüber 16 %, und haben im vergangenen Jahr auch häufiger gegründet, 4 gegenüber 2%. Aktuell selbstständig sind trotzdem doppelt so viele Männer.
- Eltern denken öfter ans Gründen: In Haushalten mit Kindern haben 39 % darüber nachgedacht und 8 % gegründet, ohne Kinder im Haushalt sind es 13 beziehungsweise 2 %.
- Ausbildung als Sprungbrett: Unter den Auszubildenden haben 46 % darüber nachgedacht und 12 % gegründet.
- Selbstständige bleiben gründungsaktive: 14 % dieser Gruppe haben im vergangenen Jahr erneut gegründet.
der Befragten zwischen 18 und 39 Jahren haben in den letzten zwölf Monaten über eine Gründung oder Selbständigkeit nachgedacht.
der Selbstständigen nennen Steuern, Buchhaltung und Bürokratie als größte Hürde.
aller Befragten haben tatsächlich gegründet.
Bürokratie bremst stärker als die Angst vor dem Scheitern
Was hält Menschen vom Schritt in die Selbstständigkeit ab?
- 21 % nennen komplexe Steuern, Buchhaltung und Bürokratie
- 19 % das finanzielle Risiko
- 16 % fehlendes Startkapital
- 8 % die Angst vor dem Scheitern
- 5 % fehlendes Wissen darüber, wie man gründet
Unter den Selbstständigen fällt das Urteil noch deutlicher aus: 39 % nennen Steuern, Buchhaltung und Bürokratie, nur 2 % die Angst vor dem Scheitern.
Bei den Jüngsten liegt die Hürde woanders. Fehlendes Startkapital steht bei Studierenden (27 %) und Menschen in Ausbildung (29 %) an erster Stelle. Für 12 % der 18- bis 29-Jährigen ist fehlendes Wissen über den Gründungsprozess zudem eine größe Hürde.

Wo Deutschland am gründungsfreudigsten ist
Die Gründungsbereitschaft unterscheidet sich regional deutlich. In Bremen und Rheinland-Pfalz haben jeweils 23 % über eine Gründung nachgedacht, in den bevölkerungsstarken Ländern Nordrhein-Westfalen und Bayern jeweils 19 %. Am unteren Ende liegen Sachsen-Anhalt mit 7 % und Thüringen mit 8 %.
Tatsächlich selbstständig gemacht oder gegründet hat in Hamburg und Rheinland-Pfalz jede*r 20. Befragte, jeweils 5 %.

Auch zwischen West und Ost zeigt sich ein deutlicher Unterschied: Im Westen haben 21 % über eine Gründung nachgedacht, im Osten 11 %. Bei den Hürden verschwindet dieser Unterschied. Bürokratie nennen 21 % im Westen und 22 % im Osten, die Angst vor dem Scheitern jeweils 8 %. Im Osten geben zudem 16 % an, generell kein Interesse an Selbstständigkeit zu haben, im Westen sind es 11 %.
Gründen kann ganz einfach sein
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Über die Umfrage
Für die repräsentative Befragung wurden vom 21. bis 23. Juli 2026 insgesamt 5.000 Personen in Deutschland ab 18 Jahren befragt. Die statistische Fehlerquote für das Gesamtergebnis beträgt ±2,6 Prozentpunkte. Auftraggeber der Befragung ist Taxfix, durchgeführt wurde sie vom Meinungsforschungsinstitut Civey.