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Gehaltserhöhung & Steuer – Was bleibt netto übrig?

14. März 2019

Wer eine Gehaltserhöhung bekommt, muss ab dem Grundfreibetrag auch einen höheren Steuersatz bezahlen. Dadurch steigt das Nettoeinkommen nicht im Gleichschritt mit dem Bruttoeinkommen. Es gibt sogar Fälle, in denen eine Gehaltserhöhung finanzielle Einbußen mit sich bringt.

Steuererhöhung bei Gehaltserhöhung

Du machst einen guten Job, dein Chef ist stolz auf dich und möchte dich gerne mit einer Gehaltserhöhung belohnen. Doch am Ende des Monats folgt mit dem Blick auf deine Gehaltsabrechnung die Überraschung: Die versprochene Gehaltserhöhung ist zwar auf deinem Konto. Was aber Netto davon übrig bleibt, ist nicht das, was du dir versprochen hast. Das ist keine Seltenheit, denn bei einer Steigerung deines Gehalts steigt auch deine Steuerlast.

Progression und andere Belastungen

Ab der Überschreitung des Grundfreibetrags, der das Existenzminimum darstellen soll, fallen für deine Einkünfte Steuern an. Theoretisch gilt: Je mehr du verdienst, desto höher ist der prozentuale Steuersatz. Es gibt also keinen einheitlichen Anteil, den du von deinem Gehalt abziehen musst, sondern mit deinem Gehalt steigt auch der Anteil an Steuern, den du zahlen musst.

Brutto-Einkommen
Steuersatz (inkl. Solidaritätszuschlag)
Steuerbetrag (gerundet)
Netto-Einkommen
9.000 Euro
0 %
0 Euro
9.000 Euro
24.000 Euro
15,68 %
3.762 Euro
20.238 Euro
48.000 Euro
25,59 %
12.284 Euro
35.716 Euro
72.000 Euro
31,68 %
22.807 Euro
49.193 Euro
96.000 Euro
34,84 %
33.441 Euro
62.559 Euro

Wenn du statt 24.000 Euro das Doppelte verdienst, also 48.000 Euro, dann hast du Netto nicht automatisch doppelt so viel Geld zur Verfügung. Mit jedem Euro, den du mehr verdienst, steigt auch dein Steuersatz um ein paar Prozentpunkte bis maximal 45 Prozent.

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Weniger Geld nach Gehaltserhöhung

Es gibt auch Fälle, da ist eine Gehaltserhöhung ein finanzieller Nachteil oder zumindest kein finanzieller Mehrwert. Hartz-IV-Empfänger mit einem Einkommen zwischen 14.400 Euro und 17.000 Euro ersetzen durch die Gehaltssteigerung ihre Sozialleistung um 100 Prozent (Stand 2018). Das, was sie am Ende des Monats also vom Arbeitgeber mehr erhalten, bekommen Sie vom Amt weniger.

Bei Alleinerziehenden Arbeitnehmern, die Wohnungsgeld und Kinderzuschläge bei einem Jahresgehalt von 18.000 Euro erhalten ist es besonders tragisch. Bei einer Gehalts-Erhöhung auf bis zu 19.600 Euro würden sie keinen Cent mehr in der Tasche haben als vorher und da ab 19.600 Euro der Kinderfreibetrag wegfällt, würden sie sogar noch draufzahlen. Die Erhöhung des Gehalts lohnt sich dann erst ab 21.400 Euro wieder.

Der Grund: Die Sozialleistungen entfallen entweder ganz oder verringern sich und gleichzeitig steigt die Steuerlast. So würde eine alleinstehende Person mit Kind bei einem Gehalt von 21.000 Euro pro Jahr weniger Geld zur Verfügung haben als mit einem Gehalt von 19.500 Euro pro Jahr (Stand 2018).

Auch Familien mit Kindern, die Wohngeld erhalten und bei einem Gehalt von 28.100 Euro eine Erhöhung von bis zu 36.300 Euro bekommen, könnten am Ende wegen der wegfallenden Leistung trotz Gehaltserhöhung draufzahlen (Stand 2018).

Die Progression, also die anteilige Erhöhung der Steuerlast und die Anrechnung der Sozialleistungen können Gehaltserhöhungen unattraktiv machen und zur Last werden.

Anpassung der Steuersätze

Der Staat versucht einer Progression entgegenzuwirken, indem er die Steuersätze von Jahr zu Jahr anpasst und die Grundfreibeträge leicht anhebt, denn er geht davon aus, dass deine Lebenshaltungskosten (Essen, Miete, Benzin, etc.) steigen.

Möglichkeiten für deinen Arbeitgeber

Dein Chef kann dir statt einer Gehaltserhöhung auch Gutscheine schenken und Sachzuwendungen machen. Diensthandy, Firmenlaptop, Tankkarte, Jahresticket für den Bus, Gesundheitsförderung und viele weitere Zuwendungen können dir helfen deine eigenen Kosten zu senken, wenn schon deine Einnahmen nicht steigen. Der Vorteil ist, dass die Steuerlast je nach Leistung hier viel geringer ist, als bei einer einfachen Gehaltserhöhung.
Wir haben für euch alle steuerfreien und steuerpflichtigen Gehaltsextras hier zusammengetragen.

Hinweis:
Zuwendungen vom Arbeitgeber statt einer Gehalsterhöhung bedeuten auch, dass sich der Beitrag deiner Sozialabgaben nicht erhöht und du somit auch keine höhere Rente im Alter bekommst. Was also für den Moment attraktiv wirkt, könnte später negative finanzielle Auswirkungen haben.

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