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Kirchensteuer – Wer zahlt sie und wie wird sie berechnet?

28. Dezember 2017

Nicht jeder, der einer Religion angehört, zahlt Kirchensteuer. Wer sie zahlt, wie hoch sie ausfällt und wie du sie steuerlich geltend machen kannst, erfährst du hier.

Was ist die Kirchensteuer?

Die Höhe deiner Kirchensteuer bemisst sich nach der Höhe deiner Einkommensteuer (§51a Einkommensteuergesetz). Sie wird neben dem Gehalt auch für Abfindungen und Kapitalerträge fällig. Geregelt wird die Kirchensteuer durch die Gesetze der Bundesländer.

In Bayern und Baden-Württemberg beträgt die Kirchensteuer 8%, in allen anderen Bundesländern 9%.

Bist du kirchensteuerpflichtig, ist dies auf deiner elektronischen Lohnsteuerkarte angegeben und dein Arbeitgeber führt sie direkt an das Finanzamt ab. Einige wenige Glaubensgemeinden ziehen die Abgabe selber ein. Bei Selbstständigen übernimmt es das Finanzamt.

Kirchensteuer – Wer zahlt sie?

Bist du Mitglied einer Religionsgemeinschaft, die als Körperschaft des öffentlichen Rechts anerkannt ist, zahlst du Kirchensteuer. Voraussetzung dafür ist, dass dein Hauptwohnsitz in Deutschland ist.

Folgende neun staatlich anerkannten Religionsgemeinschaften dürfen Kirchensteuer erheben:

  • Evangelische Landeskirchen
  • Katholische Kirche
  • Altkatholische Kirche
  • Jüdische Kultusgemeinden
  • Israelitische Religionsgemeinschaften
  • Freireligiöse Gemeinden
  • Französische Kirche zu Berlin
  • Mennonitengemeinde in Hamburg-Altona
  • Unitarische Religionsgemeinschaft Freier Protestanten in Rheinland-Pfalz

Einige anerkannte Glaubensgemeinschaften verzichten auf die Erhebung der Steuer, z.B. die orthodoxen Kirchen, evangelisch-freikirchliche Gemeinden, die Heilsarmee und die Zeugen Jehovas.

Mitglieder von muslimischen und buddhistischen Glaubensgemeinschaften zahlen keine Kirchensteuer, da diese nicht als Körperschaften anerkannt sind.

Verschiedene Arten der Kirchensteuer

Es gibt drei verschiedene Arten von Kirchensteuer:

  • Kircheneinkommensteuer bzw. Kirchenlohnsteuer
  • Kirchensteuer vom Grundbesitz
  • das allgemeine und das besondere Kirchgeld

Die Kircheneinkommensteuer ist die gängigste Variante der Kirchensteuer. Bei den anderen Arten handelt es sich um Sonderfälle.

Die Grundbesitzkirchensteuer wird nach einem festen Prozentsatz des Grundsteuermessbetrags berechnet. Sie gilt in bestimmten Regionen und wird zusätzlich zur Kircheneinkommensteuer erhoben.

Auch das allgemeine Kirchgeld bzw. die Ortskirchensteuer wird regional erhoben. Mit dem allgemeinen Kirchgeld zahlen auch diejenigen einen Beitrag, die nicht steuerpflichtig sind. Das sind volljährige Personen, deren Einkünfte über dem Grundfreibetrag liegen, z. B. Arbeitslose, Hausfrauen und Studenten.

Das besondere Kirchgeld gilt für Paare in glaubensverschiedenen Partnerschaften, die zusammenveranlagt sind und in denen nur einer kirchensteuerpflichtig ist. Das besondere Kirchgeld ist in 13 Stufen gegliedert und berechnet sich auf Basis des gemeinsamen Einkommens. Erst ab einem gemeinsamen zu versteuernden Einkommen von 30.000 Euro wird das besondere Kirchgeld fällig. Ist der geringer verdienende Ehepartner Kirchenmitglied, fällt sein Beitrag höher aus als wenn nur seine Einkünfte berücksichtigt werden.

Sind beide Partner Kirchenmitglieder, aber von unterschiedlichen Kirchen, liegt eine Konfessionsverschiedenheit vor. In diesem Fall wird die Kirchensteuer jeweils zur Hälfte an die beiden Kirchen verteilt.

Kirchensteuer für Geringverdiener, Rentner und Arbeitslose

Bist du arbeitslos oder liegt dein Einkommen unter dem Grundfreibetrag von aktuell 9.000 Euro brutto im Jahr (für 2018), zahlst du generell keine Steuern, also auch keine Kirchensteuer. Der Grundfreibetrag dient zur Absicherung des Existenzminimums. Liegt dein Einkommen über dieser Grenze, bist du steuerpflichtig und zahlst somit Kirchensteuer.

Kirchensteuer und Minijob

Minijobs sind grundsätzlich steuerpflichtig. Dein Arbeitgeber entscheidet über die Besteuerung deiner Einnahmen:

  • Pauschalsteuer
  • Individuelle Besteuerung über deine elektronische Lohnsteuerkarte

Wählt er die Pauschsteuer, gehen 2% deines Lohnes an das Finanzamt für die Lohnsteuer, den Solidaritätszuschlag und die Kirchensteuer. Dies geschieht unabhängig davon, ob du einer Glaubensgemeinschaft angehörst oder nicht. Dein Arbeitgeber kann Widerspruch einlegen, wenn du keiner kirchensteuerpflichtigen Religion angehörst.

Entscheidet er sich für die individuelle Besteuerung nach deiner Steuerklasse, ist das für dich vorteilhafter. Da du mit einem Minijob geringe Einnahmen hast, zahlst du in den Steuerklassen 1, 2, 3 und 4 keine Steuern.

Kirchensteuer und Wohnort

Ziehst du in ein anderes Bundesland mit einem anderen Kirchensteuersatz, berechnet dein Finanzamt den neuen Kirchensteuerbetrag. Dein Jahresgehalt wird dann gezwölftelt und der entsprechende Kirchensteuersatz deiner Wohnorte auf die Anzahl der jeweiligen Monate berechnet.

Wohnst und arbeitest du in unterschiedlichen Bundesländern, richtet sich die Höhe der Kirchensteuer nach deinem Arbeitsort. Gelten in den beiden Bundesländern unterschiedliche Kirchensteuersätze, wird dir die Differenz dann über die Steuererklärung erstattet oder du musst eine Nachzahlung leisten.

Kirchensteuer in der Steuererklärung

Du kannst die auf dein Einkommen gezahlte Kirchensteuer absetzen. Auch das allgemeine und besondere Kirchgeld ist von der Steuer absetzbar. Dies machst du in deiner Steuererklärung im Mantelbogen auf Seite 2 unter den Sonderausgaben.

Zahlst du Kirchensteuer als Zuschlag auf die Abgeltungssteuer bei Kapitalerträgen, ist sie nicht absetzbar, da sie pauschal versteuert wird und nicht als Sonderausgabe gilt.
Die Kirchensteuer auf die Abgeltungssteuer wird von der Bank direkt an das Finanzamt abgeführt und du musst sie nicht in der Steuererklärung aufführen.

Aus der Kirche austreten

Möchtest du die Kirchensteuer nicht zahlen, musst du aus der Glaubensgemeinschaft austreten. Den Austritt beantragst du bei einer staatlichen Stelle, z. B. deinem zuständigen Standesamt oder Amtsgericht. Je nach Bundesland wird eine Austrittsgebühr zwischen 5 bis 30 Euro fällig. In Brandenburg ist der Austritt gebührenfrei.

Lass dir eine Austrittsbestätigung ausstellen. Diese solltest du sorgfältig aufbewahren, da es nach Umzügen häufig zu fehlerhaften Datenweitergaben kommt und du versehentlich als kirchensteuerpflichtig gelten könntest.

Das Bundeszentralamt für Steuern informiert deinen Arbeitgeber über deinen Austritt. Die Kirchensteuerpflicht endet je nach Bundesland unterschiedlich. In Baden-Württemberg, Bayern, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und Sachsen-Anhalt endet sie im Austrittsmonat. In den anderen Bundesländern endet sie im Folgemonat nach dem Austritt.

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