Außergewöhnliche Belastungen: Behindertenpauschbetrag

Im Falle einer Behinderung können erhöhte Kosten für Medikamente und Betreuung anfallen. Damit deine Ausgaben dich nicht zu sehr belasten, gibt es den Behindertenpauschbetrag. Wie du ihn in deiner Steuererklärung angibst, zeigen wir dir.

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Habe ich Anspruch auf den Behindertenpauschbetrag?

Ein ärztlicher Gutachter legt individuell den Grad der Behinderung fest. Dieser Grad ist für die Höhe deines Pauschbetrags entscheidend. In nachstehender Tabelle sind die verschiedenen Grade und ihre dazugehörigen Pauschbeträge einzusehen:

BehindertenpauschbetragBehindertenpauschbetrag

Wer einen Grad der Behinderung von 25 bis 50 aufweist, erhält den Behindertenpauschbetrag nur, wenn er eine der folgenden Voraussetzungen erfüllt:

  • Du hast wegen deiner Behinderung einen gesetzlichen Anspruch auf Rente (bspw. Unfallrente) oder andere laufende Bezüge.
  • (Und/oder)

  • Deine Behinderung führt zu einer deutlichen körperlichen Einschränkung oder ist aufgrund einer Berufskrankheit entstanden.
  • Bei wem schon ein Grad der Behinderung festgestellt wurde, verfügt über einen Behindertenausweis. Auf diesem ist der Behinderungsgrad vermerkt.

Übrigens: Der Behindertenpauschbetrag gilt für ein ganzes Jahr. Verändert sich der Pauschbetrag innerhalb eines Jahres, fällt dies zu deinen Gunsten aus. Du erhältst dabei den höheren Betrag für das Jahr. Auch wenn die Behinderung erst Ende des Jahres eintritt, steht dir der volle Pauschbetrag zu.

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Wie beantrage ich den Behindertenpauschbetrag?

Wurde von einem ärztlichen Gutachter dein Grad der Behinderung festgelegt, kannst du im Hauptformular deiner Steuererklärung deinen Behindertenpauschbetrag anfordern. Auf Seite 3 füllst du dafür unter „Außergewöhnliche Belastungen“ in Zeile 61 die Leerfelder aus.

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Wichtig: Bei Erstantrag achte darauf, die Kopie des Schwerbehindertenausweises, die Bescheinigung des Versorgungsarztes oder den Bescheid der Pflegekasse hinzuzufügen.

Ändert sich dein Grad der Behinderung, wird dir immer der Pauschbetrag des höheren Grades gewährt. Hattest du z.B. erst einen Grad von 50 und nun von 60 Prozent, kannst du für das ganze Jahr den höheren Pauschbetrag beantragen. Auch wenn dein Grad heruntergestuft wird, kannst du für das Jahr mit dem höheren Pauschbetrag rechnen. Die Änderung musst du dann angeben, um den neuen Pauschbetrag zu erhalten.

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Überschreiten des Behindertenpauschbetrags

Überschreiten deine Ausgaben den festgelegten Pauschbetrag, besteht die Möglichkeit, dass du weitere Kosten einzeln als andere außergewöhnliche Belastungen absetzt. Dafür musst du alle Rechnungen für das Finanzamt sammeln, um diese Ausgaben nachzuweisen. Diese zusätzlichen Ausgaben rechnest du zusammen und trägst sie in die Zeilen 68 und 69 deiner Steuererklärung ein.

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Hat mein Kind Anspruch auf den Pauschbetrag und kann ich diesen auf mich übertragen?

Auch Kinder mit Behinderung haben Anspruch auf den Behindertenpauschbetrag. Bekommst du Kindergeld und dein Kind nutzt den Pauschbetrag nicht selbst, kannst du diesen auf dich übertragen lassen. Dies ist möglich, wenn dein Kind die Vergünstigungen nicht nutzen kann. Das ist bei Kindern der Fall, die noch nicht arbeiten gehen, gering verdienen oder kein Einkommen haben.

Diese Übertragung gilt immer nur für ein Jahr und muss in jeder Steuererklärung neu ausgefüllt werden.

Die Übertragung des Pauschbetrags kannst du in der „Anlage Kind“ auf Seite 3 in den Zeilen 64 und 65 anfordern. Dort musst du unter anderem den Grad der Behinderung angeben und Informationen zum Behindertenausweis des Kindes eintragen.

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Auch getrennte Eltern können den Behindertenpauschbetrag ihres Kindes übertragen lassen. Dabei müssen auch sie Zeile 64 und 65 ausfüllen. In Zeile 66 können sie angeben, zu wie viel Prozent sie den Pauschbetrag erhalten sollen. Wird Zeile 66 nicht ausgefüllt erhält jedes Elternteil 50%.

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Bei nicht zusammen veranlagten Eltern muss jedes Elternteil eine Steuererklärung abgeben und die Übertragung des Behindertenpauschbetrags des Kindes anfordern.

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Überprüfen und abschicken.

Wenn du eine Behinderung hast, musst du nicht auf deinen Kosten für Medikamente und/oder Betreuung sitzen bleiben. Dafür gibt es den Behindertenpauschbetrag. Wenn du nun deine Steuererklärung abgibst, verringert sich deine Steuerlast durch diesen Betrag.

Hast du die notwendigen Informationen angegeben und alle deine Belege gesammelt, kannst du deine Steuererklärung guten Gewissens absenden. Überprüfe vor dem Abschicken noch einmal genau, ob alle Angaben korrekt sind.

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