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Prokrastination: Faulheit ist vermeidbar

13. August 2019

„Morgen, morgen, nur nicht heute, sagen alle faulen Leute.“ Jeder kennt es mittlerweile, das Wort, das seit einigen Jahren immer häufiger aufgegriffen wird und für das früher im Volksmund Faulheit oder – zumindest etwas charmanter Aufschieberitis – verwendet wurde: die Prokrastination. Wissenschaftlich wird damit eine ungesunde Tendenz, wichtige Aufgaben immer wieder aufzuschieben, benannt.

Die gute alte Steuererklärung hat sicherlich schon bei jedem Bürger mindestens einmal dieses Verhaltensmuster, das Studenten besonders vertraut ist, hervorgerufen: Wenn nicht heute, dann morgen. Oder irgendwann oder vielleicht gar nicht.

Das kommt dir tatsächlich bekannt vor?

In einer Studie geben angeblich nur 2% der Deutschen an, gar nichts aufzuschieben. War früher wohl auch nicht besser – immerhin wurde das Lied, auf welches das uns allen bekannte deutsche Sprichwort zurückgeht, bereits 1766 veröffentlicht.

Und damals gab es noch keine Steuererklärung. Aber trotzdem zeigt sie vielleicht besonders gut, was viele arbeitsamen Geister in Untätigkeit verfallen lässt: Sie ist oft langwierig und mühselig. Als wäre das nicht genug, gibt es keinen direkten positiven Anreiz. Eine zusätzliche Arbeit, die nie unmittelbar und manchmal gar nicht belohnt wird. Wahrscheinlich gibt es kaum jemanden in diesem Land, dem einfällt, dass er seine Steuererklärung machen sollte und zwei Minuten später am Schreibtisch sitzt, um diese Aufgabe zu erledigen. Bei anderen Vorhaben, wie z.B. die neue Dating-Plattform auszuprobieren, kann das schon eher passieren…

Man weiß gar nicht, wo man anfangen, wo man suchen, was man tun soll, wie lange es dauern wird etc. – motivationstechnisch eine äußerst problematische Situation, wie sie Studenten oft auch in Zusammenhang mit Hausarbeiten, Selbstständigen mit Verwaltungsarbeit, Angestellten mit undankbaren Aufgabenbereichen bekannt ist.

Aber was hindert dich daran, die ungeliebten Tätigkeiten zügig in Angriff zu nehmen und hinter sich zu bringen?

Was sind die wahren Gründe der Aufschieberitis?

Das Wort „faul“ wertet moralisch und gilt nicht gerade als ruhmreich oder bewundernswert. Ein Vorhaben nicht zu verwirklichen, wird meist mit mangelnder Disziplin oder fehlendem Willen erklärt. Doch nicht jeder, der sein Zeug nicht gebacken kriegt, ist faul, ein Müßiggänger.
Erst die Prokrastinationsforschung hat darauf aufmerksam gemacht, dass andere Gründe dahinter stecken können und dass die Betroffenen oft leiden und gar nicht so sehr ihre angebliche Faulheit genießen. Beispielsweise blockiert die Angst, dass das Ergebnis nicht gut genug sein könnte. Oder eine Ungewissheit, wie bzw. welche Schritte man zuerst machen sollte. Allgemeine Leistungsprinzipien wie „Entweder richtig oder gar nicht“ helfen da auch nicht unbedingt weiter.

Ernsthaft gefragt: Was genau ist dein Problem?

Falls du auch Schweißausbrüche bei Begriffen wie Hausarbeit, Steuererklärung oder Ordnersystem bekommst, solltest du dir folgende Fragen stellen: Was sind die situativen Faktoren, die dich behindern? Was hält dich davon ab, dein Vorhaben umzusetzen? Welche Hürden stehen dir im Weg?

Je konkreter du solche Fragen beantworten kannst, desto besser erkennst du, wo genau dein Problem liegt, und wie du dir selbst helfen kannst. Aber dazu musst du dich zunächst selbst ernst nehmen und die Gefühle, die dahinterstehen, wie z.B. Angst, Überforderung, Perfektionismus etc. erkennen und als legitim zu betrachten. Sich selbst mit Vorwürfen zu überhäufen, als faul abzuwerten oder die eigene Leistung lächerlich zu machen, hilft meist wenig.

Wie kannst du dieses Verhaltensmuster umgehen?

Hast du einmal verstanden, was dir im Wege steht, kannst du daran arbeiten, Lösungen zu finden. Vielen hilft es beispielsweise, einen großen Haufen Arbeit durch das Festlegen von Zielen, von Teilschritten und von konkreten Aufgaben zu definieren. Wichtig ist, genau zu überlegen, was getan werden muss, um das Ziel zur eigenen Zufriedenheit zu erreichen. Wie viel möchtest du überhaupt investieren? In Bezug auf die Steuererklärung könnte z.B. eine kontinuierliche Vorbereitung den großen Kraftakt am Ende deutlich reduzieren.

Den Arbeitsumfang abschätzen zu können und ihn in Verhältnis zum eigenen Engagement zu stellen, ist oft schon ein wichtiger Schritt. Aufteilung und Organisation der Arbeitsmenge, klare Zwischenziele, deren Erreichen auch belohnt werden sollte, helfen die Hemmungen vor dem Loslegen zu reduzieren und unterstützen beim Durchhalten. Auch können pragmatische Instrumente, wie To-do-Listen oder Kalender bei der Organisation helfen.

Aber nicht bei jedem liegt die Hürde in den organisatorischen Fragen. Wer sich gerne vom Schreibtisch wegträumt und Stunden unproduktiv verstreichen lässt, könnte mit Arbeitszeitreduktion wieder etwas Schwung und Fokus reinbringen. Wer permanent an das Vorhaben denkt, aber wenig geschafft kriegt, sollte versuchen, physisch und mental vom Projekt Abstand zu nehmen. Vielleicht liegt auch deine persönliche Hürde darin, dass du dich in deiner Arbeitsumgebung einfach nicht wohlfühlst. Dann ist es nötig, dir eine angenehmere Arbeitsatmosphäre zu erschaffen, in die du gerne eintauchst.

Finde heraus, an welchen Stellen du Unterstützung brauchst und wo du sie findest. Du solltest auch nicht zögern, nötige Hilfsmittel zu nutzen, um deine Arbeit geschafft zu bekommen und deine Ziele zu erreichen. Völlig gleich, ob es sich dabei um viele kleine Vorbereitungsschritte, einen umgestalteten Arbeitsplatz oder ein spezielles Zeitmanagement handelt.

Faulheit ist nur eine faule Ausrede

Faulheit ist in der Regel keine aktive Entscheidung. Bezeichnet man sich selbst oder andere als faul, verschleiert das oft die wahren Ursachen und hilft nicht das Problem zu lösen. Egal, ob bei der Steuererklärung, dem Bürokratiechaos oder Hausarbeiten, versuche das eigentliche Problem zu erkennen und dich selbst beim Bewältigen der Aufgaben mit bestimmten Maßnahmen und Techniken zu unterstützen. Schaffe überschaubare Situationen, in denen du spüren kannst, wie du dich vorwärtsbewegst. Denn schließlich wissen wir alle: „Was du heute kannst besorgen, das verschiebe nicht auf morgen.“

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